Conte fliegt nach turin – und neapel hofft auf das wunder

Antonio Conte hat die Handbremse gezogen. Vier Tage Pause gönnt sich der Napoli-Coach inmitten der heißesten Phase der Saison – und ausgerechnet jetzt jubelt ihm die ganze Stadt hinterher. Der Grund: Ein Sieg gegen Bologna, vier Pflichtspiel-Erfolge in Serie, Tabellenplatz drei mit nur noch sieben Punkten Rückstand auf Inter. Die Meister-Träume leben wieder.

Nicht mehr der mann vom november

Die Bilder gleichen sich, die Stimmung nicht. Vor vier Monaten flüchtete Conte nach dem Desaster von Bologna in den Norden, begleitet von #conteout und dem Vorwurf, er würde den Verein im Stich lassen. Diesmal verlässt er Neapel als Held. „Mister, genieße den Urlaub und komm geladen zurück“, steht auf den Bannern vor dem San Paolo. Die Fans haben ihren Juventino längst zum Ehren-Neapolitaner erklärt.

In Turin wartet Familie, in Neapel der Assistent Cristian Stellini. Trainingspläne liegen schon ausgedruckt auf dem Schreibtisch, Videoschnitt des AC Mailand läuft auf Endlosschleife. Conte will keine Sekunde verschenken, schon der Gedanke an die Oster-Montag-Partie gegen Allegri lässt ihn grinsen. Zweiter gegen Dritter, ein Finale im März.

Die rechnung geht auf

Die rechnung geht auf

Contes Zauberformel: Arbeit statt Worte. Seit dem November-Tief hat er 26 Punkte geholt, mehr als jede andere Serie-A-Mannschaft. Die Defensive kassierte nur noch drei Gegentore, Hojlund trifft im Sturmzentrum wie einst Cavani. Selbst die viel gescholtene Rotation funktioniert: Zielinski dreht nach Muskelproblemen wieder auf, Politano liefert Vorlagen am Fließband. Einzig die Verletzungsmisere um De Bruyne bleibt ein offener Wundenpunkt.

Doch Conte spielt das Spiel der Nerven. „Wir setzen den Druck auf die, die vor uns liegen“, sagte er nach dem 2:0 in Cagliari. Gemeint sind Inter und Mailand. Die Rossoneri müssen am 30. März in Neapel antreten, wo 55.000 Fans schon jetzt „Lautstärke sieben“ planen. Der Maradona-Stadion-Komplex wird zur Glutpfanne, und Conte weiß: Gewinnt sein Team, schrumpft der Rückstand auf vier Zähler. Dann wäre die Meisterschaft plötzlich ein Kopf-an-Kopf-Rennen.

Die stadt atmt durch

Die stadt atmt durch

In den Gassen von Spaccanapoli hört man statt Hupkonzerten jetzt wieder Gesänge. „Conte a vita“ schallt es aus den Bars, dazu Espresso und Cornetti. Die Läden verkaufen bereits T-Shirts mit der Nummer eins und seinem Konterfei. Sogar Aurelio De Laurentiis schaltet sich über Social Media ein: „Wir jagen, wir kassieren nicht ab.“ Der Präsident weiß, dass diese Napoli-Version gefährlicher ist als jede vorherige: Sie spielt nicht mehr nur für Punkte, sondern für ein ganzes Volk, das endlich wieder glaubt.

Conte selbst bleibt knallhart. „Ich nehme keine Sekunden frei, ich tausche nur die Postleitzahl“, sagte er den Kader-Spielern, bevor er Richtung Flughafen Capodichino fuhr. Die nächste Woche wird zum Test für die mentale Stärke seiner Truppe. Mailand wartet, Inter spielt zwischendurch gegen Empoli. Ein Sieg gegen die Rossoneri, und die Nerazzurri bekommen kalte Füße. Dann wäre der Traum vom zweiten Stern in neun Jahren keiner mehr – sondern Plan.

Am 1. April ist nicht nur Ostermontag, sondern auch der Tag, an dem Napoli die Meisterschaft neu erfinden könnte. Conte packt schon mal die Koffer – und die Liga zittert.