Como schockt inter 1950: als der lombarden-zwerg das san siro stürmte
Am 14. Mai 1950 glaubte ganz Mailand an einen Heimsieg. 90 Minuten später fluchten 45.000 Inter-Anhänger, weil der FC Como – ein Dorfklub mit 18.000 Seelen – das noch unüberdachte San Siro mit 2:1 plünderte. Die Gazetta titelte am nächsten Tag bissig: „Die Nerazzurri sind bereits in Urlaub.“
Ein genueser mit rivarolo-wurzeln bestraft den favoriten
Vittorio Ghiandi, damals 25 und Stürmer aus Rivarolo, schraubte seine Saison-Torausbeute auf 18. Sein Kopfball nach einer Rabitti-Flanke in der 73. Minute löste im Fankessel ein kollektives „Ma che.“ aus. Ercole Rabitti selbst hatte den Ausgleich aus 16 Metern versenkt – ein Schuss, der beim heutigen Rasen wohl abgeprallt wäre, doch der Asche-Platz beschleunigte die Kugel wie ein Flipper.
Inter-Coach Giulio Cappelli, 1936 noch Olympia-Gold in Berlin, wechselte früh zweimal. Doch selbst der ungarische Torjäger István Nyers – 133 Treffer in Schwarz-Blau – fand kein Rezept gegen Comos Ketten, die sich an diesem Tag wie gegossen bewegten.

Der tag, als como die geschichte umschrieb
Die Folgen waren gigantisch: Como rutschte auf Rang sechs – bis heute die beste Platzierung des Klubs in der Serie A. Inter verspielte zwei Spieltage vor Saisonende jede Chance auf die Meisterschaft. Den Scudetto holte sich Juventus um Jesse Carver, und Gunnar Nordahl vom Stadtrivalen AC Milan krönte sich mit 35 Treffern zum Torjägerkönig. Die Niederlage nagte jedoch länger an den Nerazzurri als an der Tabelle: In der Rückrunde hatten sie das Hinspiel noch 5:1 gewonnen. Das 1:2 am 14. Mai war ein Schlag ins Kontor – und ein Denkmal für Underdog-Fußball.
Die Presse war gnadenlos: „Lezione del Como ai pelandroni“, wetterte das Wochenmagazin „Milaninter“. Übersetzt: Die Faulenzer bekamen eine Lektion. 74 Jahre später, mit dem Wiederaufstieg Comos in die Serie A und einem möglichen Pokal-Duell auf dem Programm, erinnern sich nur noch Historiker an diesen Sonntag. Doch die Zahlen sprechen weiter: Kein Como-Sieg in der Scala del Calcio seitdem – und Inter hat seit jenem Tag nie wieder eine Heimpleite gegen die Larianer hingenommen. Rekorde sind dazu da, um zu fallen. Aber manche warten eben drei Vierteljahrhunderte.
