Comencini filmt vater-tochter-krieg im kino der bleijahre
Milano, 20. März – Francesca Comencini packt aus: In „Il tempo che ci vuole“ jagt sie ihre eigene Jugend durch den Schnitt, lässt Vater Luigi Comencinis Pinocchio-Set wiederauferstehen und mischt unter die weibsen Kulissen pure Heroin-Angst. Heute Nacht zeigt Rai 3 die deutsche Erstausstrahlung – und plötzlich wird klar, warum das Thema Drogen in Italien nie nur ein Randdrama war.
Vater-tochter-kino als drogen-entzug
Die Zeit der Blei ist längst Geschichte, ihre Spätschäden nicht. Comencini erzählt, wie der Regisseur-Vater zwischen Anschlägen und Anrufen seine Tochter rettet, die zwischen Filmplakaten kippt. Fabrizio Gifuni spielt den Regisseur mit zitternder Stimme, Romana Maggiora Vergano die Tochter, die Kamera fährt so nah, dass man den Staub auf den Schultern der 70er-Jahre riechen kann.
Comencini selbst sagt: „Jeder Schnitt war ein Entzug.“ Gemeint ist der Film, aber auch die eigene Jugend. Die Rückkehr auf das Pinocchio-Set wurde zum Familien-Therapie-Termin. Statt Figuren aus Holz entstehen Szenen aus Erinnerung. Das Ergebnis: kein nostalgisches Museum, sondern ein Spiegel, der die Gegenwart verrät – Italien hat seine Drogenprobleme nie abgeschüttelt, sie nur verdrängt.

Warum heute jeder italien-fan einschalten sollte
Wer Peaky-Blinders-Tränen mag, bekommt hier italienisches Kino ohne Filter. Kein Gangster-Charme, nur blanker Vaterinstinkt. Die Bilder laufen nach Mitternacht, aber die Einschaltquote wird steigen – Streaming-Portale haben den Titel bereits in ihre Trend-Listen hochgepusht. Die Botschaft: Erst wer die eigene Geschichte schnittet, versteht, warum Sport, Politik und Drogen in Italien immer am gleichen Tisch sitzen.
Am Ende steht ein Schnitt, der nicht schmerzt. Die Tochter überlebt, das Kino bleibt. Und wer heute Nacht auf Rai 3 zusieht, erkennt: Das Spiel dauert länger als 90 Minuten – es dauert ein Leben.
