Collina schlägt zurück: fifa-schiedsrichter lassen sich nicht beeinflussen
Pierluigi Collina zieht die Handschuhe aus. Der legendäre italienische Schiedsrichter und Chef der FIFA-Schiedsrichterkommission hat die Kontroverse um die umstrittenen Entscheidungen im Viertelfinale zwischen Argentinien und Ägypten auf seine Art beendet: mit einer klaren Ansage an alle Zweifler.
Die Debatte war entfacht worden, als der französische Schiedsrichter François Letexier ein Tor der Ägypter nach VAR-Überprüfung wegen eines angeblichen Fouls von Marwan Attia an Lisandro Martínez zurücknahm. Später folgte ein weiterer Aufschrei: Kein Elfmeter für Ägypten, als Julián Álvarez im Zweikampf mit Mohamed Salah dessen Fuß traf. Argentinien gewann 3:2. Der New Yorker Bürgermeister Zohran Mamdani sprach sogar von einem "Raub".
Was collina wirklich sagt – und was das bedeutet
Collina lässt das nicht stehen. In einem exklusiven Interview mit inside.fifa.com legte der 64-Jährige nach: "Niemand kann die Integrität der Schiedsrichter bei dieser WM in Frage stellen." Die Botschaft ist unmissverständlich. Selbst Gianni Infantino, der mächtige FIFA-Präsident, habe keinerlei Einfluss auf die Unparteiischen. "Er hat immer seine volle Unterstützung gezeigt und darauf vertraut, dass wir völlig unabhängig arbeiten."
Die technische Erklärung folgt auf dem Fuß. Bei dem umstrittenen Abseits-Tor habe der VAR korrekt interveniert. "Eine Foul ist eine Foul", so Collina. Ob sie offensichtlich wirke oder nicht, spiele keine Rolle. Der Videoassistent habe die Szene vor dem Treffer analysiert, die Foul erkannt und den Schiedsrichter zum Monitor geschickt. Dabei gibt es keine festen Grenzen: weder zeitlich noch räumlich. "Es gibt keine definierte Begrenzung hinsichtlich der Entfernung zum Tor oder der verstrichenen Zeit zwischen dem Vorfall und dem Tor."
Bei der Salah-Szene zieht Collina eine klare Linie. "Auf den Fuß eines Gegners treten ist Foul. Ein Verteidiger, der zuerst den Ball berührt und dann normalen Kontakt zum Ball hat, begeht keine Foul." Letexier und sein VAR-Team hätten einen normalen Zweikampf gesehen. Punkt.

Die subjektive wahrheit des regelhüters
Collina ist kein Mann der Illusionen. Er räumt ein, dass "bei manchen Entscheidungen immer ein Element der Subjektivität" bleibe. Das ist die Natur des Spiels. Doch das Gesamtbild überzeugt ihn: "Wir sind mit der Art und Weise, wie dieses Prinzip während des Turniers angewendet wurde, zufrieden."
Der Druck auf die Schiedsrichter ist enorm. 104 Spiele in wenigen Wochen, jede Entscheidung unter dem Mikroskop der globalen Öffentlichkeit. Collina weiß, dass Fehler passieren. "Wenn das geschieht, sind wir bereit, noch härter zu arbeiten, um für das nächste Spiel vollständig vorbereitet zu sein."
Was bleibt, ist eine Warnung. Konstruktive Debatten über Entscheidungen gehören zum Fußball. Aber: "Unbegründete Anschuldigungen haben keinen Platz." Collina wird konkret. "Wenn dies geschieht, kann es zu Reaktionen führen, die in Drohungen gegen sie und ihre Familien münden. Das ist nicht richtig."
Die Schiedsrichterfamilie schließt sich zusammen. Hinter verschlossenen Türen, fernab der medialen Wirbelstürme. Collina hat gesprochen. Wer jetzt noch an einer Verschwörung zweifelt, muss sich fragen, ob er wirklich den Fußball versteht – oder nur das Drama sucht.
