Coenen rast über almonte und entreißt herlings die rote platte

Almonte war nur ein Kaff im Parque Nacional de Doñana. Jetzt ist es das Staunen wert. Lucas Coenen verwandelte die spanische Wüste am Sonntag in eine belgische Festung, riss sich beim ersten MXGP-Debüt der Andalusier die rote Führungsplatte vom Leib des unangefochtenen Jeffrey Herlings und ließ 22 000 Fans mit offenen Mündern zurück.

29 Grad im Schatten, Sand so fein wie Mehl – und ein 20-Jähriger, der die beiden Läufe souverän nach Hause fuhr. Coenen brauchte in der ersten MXGP-Manche gerade einmal drei Kurven, um die Spitze zu übernehmen, und gab sie nicht mehr her. Im zweiten Lauf fiel der KTM-Pilot sogar zurück, schaltete aber nach zehn Minuten einen Gang höher und fräste sich wie eine Düsenbohrer durch das Feld. Am Ende jubelte sein Boxenchef mit Tränen in den Augen – und Herlings schaute zu, wie die rote Nummer 96 an der Motorhaube seines Bikes klebte.

Spanier feiern moralische siege

Ein Podestplatz für die Hausherren? Fehlanzeige. Dafür lieferten die Iberer eine Vorstellung ab, die laut wird als „coraje puro“ durch die Tribünen ging. Rubén Fernández schleppte sich mit Fieber und 38 Grad Körpertemperatur auf Rang elf, sammelte wertvolle Punkte für Honda HRC Petronas und brach nach dem Ziel kreidebleich zusammen. Oriol Oliver schnappte sich in der zweiten Runde den Holeshot, ließ die Menge toben und rutschte später auf Platz 18 ab – das Sandloch fraß seine Reifen auf. Und José „El Gallo“ Butrón? Der lokale Liebling wurde 21., doch als er die letzte Runde einleitete, sang das ganze Stadion seinen Namen. Er verlor – und gewann das Publikum.

Die Zahlen sprechen trotzdem für sich: Drei Spanier in den Punkterängen, keiner außerhalb der Top 25. Das ist kein Zufall, sondern ein Indiz dafür, dass der Nachwuchs auf Sand neue Standards setzt.

Fran carbonero stiehlt der mxgp die show

Fran carbonero stiehlt der mxgp die show

Während die Großen kämpften, lieferte der EMX250 die spanische Nummer-eins-Moment. Fran García Carbonero aus Cádiz verwandelte den Australier Jake Cannon in der letzten Runde in eine Sandstatue und zog als Erster über die Ziellinie. Als die Nationalhymne erklang, hielt er die Hand ans Ohr – nicht aus Stolz, sondern weil 15 000 Kehlen den Text mitbrüllten. Der 19-Jährige ist kein Talent mehr, er ist ein Kandidat für die MX2-WM 2025. KTM-Teamchef Pit Beirer ließ bereits durchsickern: „Wenn er so weitermacht, bekommt er einen Vertrag, bevor er 20 wird.“

Die Tabelle? Coenen führt jetzt mit neun Punkten Vorsprung auf Herlings. Der Sand von Almonte hat nicht nur Spuren hinterlassen – er hat die Machtverhältnisse neu sortiert. Nächste Woche treibt der Zirkus nach Trentino, wo Herlings normalerweise regiert. Doch nach dem, was wir heute sahen, ist die rote Platte kein Privileg mehr, sondern ein Handtuch, das jeder packen kann. Die Saison ist offen – und sie wird brutal.