Coe bleibt im ioc: machtspiel über dem alterslimit
Lausanne – Sebastian Coe, Leichtathletik-Präsident und ehemaliger Präsidentschaftskandidat des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), darf auch über sein 70. Lebensjahr hinaus im IOC verbleiben. Die Entscheidung der IOC-Mitglieder sorgt für Gesprächsstoff und wirft Fragen nach der Zukunft des Gremiums auf.

Ein machtspiel im olympischen komitee
Die Zustimmung zur Verlängerung des Mandats des Briten fiel bei der Vollversammlung in Lausanne eindeutig aus (77 Ja-Stimmen, 6 Nein-Stimmen). Coe, der in diesem Jahr seinen 70. Geburtstag feiert, bleibt damit einflussreicher Teil des IOC – und das bis zu seinem Ausscheiden an der Spitze des World Athletics. Dass er überhaupt diese Möglichkeit in Betracht gezogen wurde, ist bemerkenswert, da das IOC seit 1999 ein Alterslimit von 70 Jahren für seine Mitglieder vorsieht.
Erinnern wir uns: Vor einem Jahr hatte Coe noch einen Anlauf genommen, Thomas Bach als IOC-Präsidenten abzulösen. Dieser Versuch scheiterte, und Kirsty Coventry wurde als erste Frau in das Amt gewählt. Nun aber, anstatt sich zurückzuziehen, festigt Coe seine Position innerhalb des IOC. Die Unterstützung, die er öffentlich für Coventry aussprach, wirkt angesichts dieser Entscheidung fast ironisch.
Die Entscheidung, Athleten erstmals direkt an den Einnahmen des IOC zu beteiligen, nannte Coe einen „historischen Moment“. Ein Schritt, den er bereits vorab als Präsident des Leichtathletik-Weltverbandes angestoßen hatte, indem er bei den Spielen in Paris 2024 Medaillenprämien ausschüttete. Ein Vorgreifen auf eine neue Ära, oder ein weiterer Schachzug im komplexen Spiel der olympischen Macht?
Neben Coe gehören auch der deutsche Unternehmer Michael Mronz und die Athletenvertreterin Kim Bui zu den derzeitigen IOC-Mitgliedern, deren Mandate über das 70. Lebensjahr hinaus verlängert werden könnten. Ob sie dem Beispiel Coes folgen werden, bleibt abzuwarten.
Die Frage, die sich nun stellt, ist nicht nur, wie sich Coes Einfluss auf die zukünftige Ausrichtung des IOC auswirken wird, sondern auch, ob diese Entscheidung einen Präzedenzfall für andere hochrangige Mitglieder schafft. Die Regeln sind gebrochen worden, und das IOC muss sich nun mit den Konsequenzen auseinandersetzen. Der Sport schreitet voran, und manchmal scheinen die Institutionen, die ihn leiten, hinterherzuhinken.
