Chouaref trifft marke 150 – sion verschenkt punkte in winterthur

Die Nacht von Ilyas Chouaref lief nach Plan, das Spiel seines FC Sion nicht. Beim 1:1 in Winterthur riss der 25-jährige Mittelfeldspieler die 150-er-Marke im Wallis-Dress, musste aber mit ansehen, wie die Mannschaft sich beim Tabellenletzten erneut selbst behinderte.

Seit seinem Wechsel 2022 aus Malta ist Chouaref Konstante im Rhythmus von Sion. 150 Einsätze in drei Jahren – das ist keine Randnotiz, das ist ein Statement über Verlässlichkeit in einer Mannschaft, die sich seit Monaten neu erfindet. Die Bilanz des Marokkaners liest sich wie ein Offensivmanifest: 11 Tore, 15 Assists in den letzten eineinhalb Saisons, Vertrag bis 2028. Zahlen, die ihn zum Lebensversicherungs-Transfer der jungen Saison machen.

Winterthur nutzt die sioner unschärfe gnadenlos aus

Doch der Jubiläumsabend geriet zur Demonstration der Walliser Schwächen. Die Gäste bestimmten zwar Ballbesitz und Laufwege, doch sobald die Räume zwischen den Ketten aufklafften, fehlte die letzte Konsequenz. Winterthur dagegen lauerte auf Umschaltmomente und traf postwendend zur Führung. Chouaref selbst schaltete schnell, leitete den Ausgleich mit einem diagonalen Steilpass ein – sein vierter Assist der laufenden Meisterschaft –, doch mehr wollte Sion nicht hergeben.

Trainer Frédéric Vallat hatte vor Wochen angekündigt, die Neuausrichtung mit „jugendlicher Frische und erfahrener Klasse“ zu verbinden. Das Topteam besteht mittlerweile zur Hälfte aus Neuzugängen, die noch Kommunikation und Automatismen finden müssen. Die Folge: Chouaref muss neben seiner Spielmacherrolle immer öfter tief rausrücken, um Ballgewinne zu organisieren – eine Doppelbelastung, die seine Statistik zwar füllt, die Mannschaft aber nicht nach vorne bringt.

Die Tabelle lügt nicht: Sion hängt nach acht Runden im Mittelfeld fest, der Anschluss an die internationalen Plätze beträgt bereits fünf Zähler. Bei einem Blick auf die restliche Programmphase bis Winterpause warten mit Basel, YB und Servette drei Schwergewichte, die bei weiteren Ausrutschern die Saisonziele früh ad acta legen könnten.

Chouarefs botschaft nach dem schlusspfiff

Chouarefs botschaft nach dem schlusspfiff

Die Kameras fanden ihn nach Abpfiff auf der Tribüne, where er Autogramme gab und trotz des verschenkten Sieges lächelte. „150 Spiele bedeuten Verantwortung, nicht nur Party“, sagte er kurz, ehe er in den Kabinengang verschwand. Die Fans feierten ihn trotzdem, mit „Ilyas, Ilyas“-Rufen, die durch den leeren Gästeblock hallten.

Die nächsten Wochen entscheiden, ob die Chouaref-Ära in Sion nur individuelle Glanzlichter bleibt oder endlich zur Team-Turnaround-Story wird. Der Vertrag bis 2028 gibt ihm Zeit, doch die Super-League wartet nicht ewig. Wer jetzt nicht zieht, verliert spätestens im Frühjahr den Anschluss.

Fazit: Ein Punkt in Winterthur mag nach Konsens klingen, ist für Sion aber ein Verlust mit Ansage. Chouarefs Jahrhundertspiel wird in den Geschichtsbüchern stehen – die Saison droht, wenn die Walliser nicht endlich aus der Anlaufphase kommen. Der Mittelfeldspieler hat seine Hausaufgaben gemacht, die Mannschaft steht noch am Kreuzweg.