Charmig stiehlt der tour die show – däne gelingt der befreiungsschlag aus dem niemandsland
234,2 Kilometer, fünf Anstiege, vier Jahre Warten – und dann dies: Anthon Charmig donnerte aus einer zehnköpfigen Fluchtgruppe davon, als wäre ihm jemand die Bremse vergessen. Mit 41 Sekunden Vorsprung überquerte der dänische Klettertalent von Uno-X Mobility die Ziellinie in Le Puy-en-Velay. Für den 28-Jährigen ist es nicht nur Etappensieg Nummer zwei seiner Profikarriere, sondern der erste echte Statement-Sieg gegen eine halbwegs starke Konkurrenz.
Die attacke, die niemand kommen sah
Elf Kilometer vor dem Ziel, kurz vor dem letzten GPM, zog Charmig eine Lücke. Kein Blick zurück, kein Händewedeln – einfach weg. Hinter ihm löste sich das Feld: Henri-Francois Renard-Haquin (Picnic PostNL) und Vlad Van Mechelen (Bahrain-Victorious) stemmten sich noch in die Verfolgung, kamen aber nur, um ihr Gesicht in die Live-Bilder zu schmuggeln. Drei Minuten später rollte das Hauptfeld – allen voran Paul Seixas – gemächlich über den roten Teppich, als wäre das Rennen schon gelaufen. Die Ironie: Seixas, Frankreichs Jungstar und heimlicher Tour-Hoffnungsträger, bekommt morgen auf dem 28,4 Kilometer langen Mannschaftszeitfahren eine neue Bühne – doch heute war klar, wessen Show das war.

Baudin behält gelb, deutsche fahrer bleiben unsichtbar
Alex Baudin (EF Education-EasyPost) trägt weiter das Gelbe Trikot, liegt 32 Sekunden vor Ramses Debruyne. Die Deutschen? Kein einziger Name im Rennbericht, kein einziger Angriff, kein einziger Grund für Jubel. Für Florian Lipowitz, der das Rennen wie Pogacar und Vingegaard ausspart, bleibt es ein Schlag ins Wasser: Die heimischen Fans sehen in diesem Jahr nur Fremde auf dem Podest.
Morgen geht’s in die zweite Runde der Generalprobe für die Tour de France – ein Mannschaftszeitfahren, bei dem jeder Fahrer seine eigene Uhr bekommt. Charmig hat seine schon gestellt.
