Chaostag in wolfsburg: werder-fans festgenommen, fanhilfe schreit polizeibrutalität

Blut, Tränen, Täter – und zwei völlig gegensätzliche Versionen. Was beim Abstiegsduell VfL Wolfsburg gegen Werder Bremen eigentlich ein 90-Minuten-Krimi auf dem Rasen werden sollte, entladete sich schon vor Anpfiff zu einem handfesten Eklat am Gästeeingang der Volkswagen-Arena. Festnahmen, verletzte Ordner, ein angegriffener Polizist – das ist die offizielle Lesart. Die Bremer Fanhilfe kontert mit einem Wort: Polizeigewalt.

Was genau geschah am gästeeingang?

Kurz nach 14:30 Uhr, zwei Stunden vor dem ersten Pfiff, kontrollierte ein Sicherheitsteam des VfL die mitgereisten 2.800 Grün-Weißen. Laut Stadionseite stellten die Ordner verbotene Fanutensilen – vermutlich Bengalische Feuer und Pyro-Batterien – sicher. Daraufhin habe „eine Gruppe Werder-Fans die Ordner massiv attackiert“, so der Club. Die Polizei musste einschreiten, es gab mehrere Festnahmen. Ein Beamter erlitt leichte Verletzungen, blieb aber dienstfähig.

Die Fanhilfe Bremen widerspricht sofort. Auf Twitter veröffentlichte sie Handyvideos, die zeigen sollen, wie Einsatzkräfte mit gezogenen Schlagstöcken auf bereits am Boden liegende Fans einschlugen. „Erste Verletztenliste: mindestens drei Platzwunden, ein Schädelprellung, ein gebrochener Finger“, schreibt Sprecherin Lena Müller. Die Polizei wolle sich auf Nachfrage nicht äußern, „weil Ermittlungsakte bearbeitet wird“. Klingt nach Standard, wirkt auf Fans wie Schweigen im Walde.

Signalwirkung: viele ultras bleiben draußen

Signalwirkung: viele ultras bleiben draußen

Die Konsequenz ist messbar. Die eigentlich gut organisierte Werder-Ultraszene verzichtete auf den gemeinsamen Block. Statt der üblichen Gesänge aus dem Gästeblock plärrten nur 200 St. Pauli-Freundschaftler mit, die kurzfristig eine Solidaritätskarte erhalten hatten. Im Stadion herrschte kurz vor Anpfiff ungewohnte Ruhe – bis der Protestschiri-Pfiff ertönte. 11. Minuten: Symbolik für die Elf des Tages, die Elf, die draußen blieb.

Der DFB-Kontrollausschuss wird am Montag die Berichte von Polizei, Verein und Fanbeauftragten prüfen. Für Werder droht eine Geldstrafe wegen Zuschauerverhaltens, für den VfL eventuell eine Teilauswertung des Gästeblocks. Doch das ist Bürokratie. Auf der Straße bleibt der Gestank von Pfefferspray und verbranntem Zellstoff – und die Frage, wer hier eigentlich wen provoziert hat.

Spielstand am Ende: 2:1 für Wolfsburg. Die eigentliche Bilanz steht aber noch aus.