Cerci sagt wolfsburg ab und schießt nun gegen den vfl – das drama vor dem topspiel

Selina Cerci wird nicht zur Wölfin. Die Nationalstürmerin lehnte den VfL Wolfsburg ab, steigt morgen mit der TSG Hoffenheim auf den Rasen – und kann dem Champions-League-Aspiranten mit einem Sieg die Saisonplanung zerfetzen.

Warum der erhoffte transfer platzte

Stephan Lerch bestätigte am Freitag, was seit Tagen durch die Gänge der Autostadt kursierte: Cerci will ins Ausland. „Eine Spielerin mit ihrer Qualität hat natürlich viele Optionen“, sagte der VfL-Trainer, ohne das Ziel zu nennen. Der Klub reagierte kurzfristig und sicherte sich Giovanna Hoffmann von RB Leipzig. Doch der Abgang von Alexandra Popp zum BVB und die wahrscheinlichen Freigänger von Vivien Endemann und Lineth Beerensteyn hinterlassen Löcher, die Cerci hätte füllen können.

Stattdessen bleibt sie in Hoffenheim – zumindest bis Sommer. Und genau das macht die Ausgangslage brisant: Die 24-Jährige ist mit zwölf Treffern beste Torschützin der TSG, traf in der laufenden Serie dreimal in den letzten vier Partien. Gegen den VfL, dem sie gerade den Rücken kehrte, könnte sie den Europapokal-Kandidaten jetzt selbst treffen.

Die trainer-poker zwischen virsinger und lerch

Die trainer-poker zwischen virsinger und lerch

Eva-Maria Virsinger kennt den Gegner aus dem Effeff. Die Hoffenheimer Coach arbeitete bis Winter an Wolfsburgs Spielidee mit – ein Vorteil, wie Lerch einräumt: „Sie weiß fast alles über unsere Automatismen.“ Virsinger selbst spielt das intellektuell herunter: „Beim Anpfiff zählt nur, wer Tore macht.“

Beide Teams kommen mit Gegenläufigem daher: Die TSG gewann nur eines der letzten fünf Spiele, der VfL drei von vier. Die Tabelle spricht klar für Wolfsburg, doch die Tabellen sind im März schon mal ein Zettel mit Zahlen. Virsinger will mit „geschlossener Mannschaftsleistung“ stören, Lerch mit Pressing und Tempo früh die Zweikampf-Werte hochschrauben.

Der mentale test für cerci – und ihre torhüterin

Der mentale test für cerci – und ihre torhüterin

Die Gerüchtewelle um ihren Wechsel wirbelt weiter. In Frankfurt wirkte Cerci verhalten, vergab zwei Großchancen. Doch ihre Trainerin schützt sie: „Transfer-Themen gehören leider dazu, das testet die Kopfsteuerung.“ Ebenso getestet wurde Laura Dick. Ihr Bock war der Beginn der 0:2-Niederlage gegen die Eintracht, doch danach hielt sie die TSG mit zwei Glanzparaden im Spiel. „Mentale Reaktion über 90 Minuten – das ist das, was wir jungen Spielerinnen abverlangen“, so Virsinger.

Wolfsburg kann am Samstag auf Luca Papp und Stina Johannes zurückgreifen, muss dafür auf Joelle Wedemeyer verzichten. Bei Hoffenheim kehrt Lisa Doorn in die Viererkette. Die personellen Verschiebungen sind angerichtet, die taktischen Geheimnisse durchdekliniert. Jetzt muss nur noch der Ball rollen.

Und Cerci? Sie könnte mit einem Tor die Entscheidung von Wolfsburg ad absurdum führen – und ihrem künftigen Arbeitgeber im Ausland die Visitenkarte senden: Ich treffe, wann ich will. Die Autostadt blickt gebannt auf 90 Minuten, die über Champagner oder Frust entscheiden.