Celta wirft das letzte pulver: 3:0-rückstand gegen freiburg soll in balaído erträumt werden
Trainer Claudio Giráldez will
am Donnerstagabend nur Gläubige in seinem Stadion sehen. Die restlichen Tickets für das Rückspiel gegen den SC Freiburg waren am Montag ausverkauft – 48 Stunden nach der 0:3-Pleite im Schwarzwald und nur wenige Stunden nach der Blamage gegen Real Oviedo. Die Rechnung der Celta-Führung geht auf: 23.000 Menschen werden trotzdem kommen, weil sie sich ein Wunder erhoffen, das es in der 103-jährigen Klubgeschichte noch nie gab.Die mauer soll vor dem anpfiff das erste tor schießen
Die Spieler haben die Kurven gebeten, schon bei der Einlaufmusik das erste Tor zu erzwingen. Die Nordtribüne antwortet mit einer Choreografie, die an die Europapokal-Nacht gegen Manchester United 2017 erinnert. Damals schafften die Galicier das 4:0, das sie ins Halbfinale schoss. Diesmal fehlen vier Tore, und die jüngsten zwei Spiele brachten kein einziges.
Der Klub buchte deshalb Abraham Cupeiro, der mit Dudelsack, Zink und Taiko-Trommeln eine epische Einlage verspricht. Seine Aufgabe: die emotionale Temperatur auf 40 Grad zu treiben, bevor der Schiedsrichter pfeift. Die Logik dahinter: Wenn das Kollektiv vorher schon glaubt, spart man sich die erste Viertelstunde Nervosität.

Die statistik lacht nicht mit vigo
In 64 Europa-League-Playoffs drehte nur ein Team einen Drei-Tore-Rückstand. Das war 2016 Borussia Dortmund gegen FC Porto. Die Celta kennt die Zahlen, trotzdem trainierte Giráldez gestern nur Standards und Balleroberungen im Mittelfeld. Seine These: „Wenn wir das zweite Duell gewinnen, ist das 3:0 vom Hinspiel nur noch eine Fußnote.“
Die Wahrheit sieht anders aus. Die Defensive um Jailson und Starfelt kassierte in den letzten beiden Pflichtspielen fünf Gegentore, Iago Aspas traf seit Februar nicht mehr aus dem Spiel heraus. Dazu fehlen Renato Tapia und Luca de la Torre, die beiden einzigen Sechser, die in Freiburg die Räume einigermaßen dicht machten.

Die saison ist längst gerettet, das macht sie gefährlich
Sechster Platz in LaLiga, Achtelfinale Europa League – das hätte jeder Celta-Anhänger im August unterschrieben. Genau diese Tatsache nutzt Giráldez als psychologischen Trick. Er verteilte in der Kabine eine Liste: Saisonziele erreicht, Bonuszahlungen gesichert, internationale Präsenz wiederhergestellt. Die Botschaft: „Spielt befreit auf. Was kommt, kommt dazu.“
Befreit war zuletzt nichts. Gegen Oviedo wirkten selbst Simple Pässe wie Blei, und die 0:3-Klatsche in Freiburg folgte dem Muster: frühes Gegentor, dann Kopflosigkeit. Die Frage ist, ob 50.000 Euro Preisgeld pro Sieg in der Europa League reichen, um die Beine wieder leicht werden zu lassen.

Neuntausend kinder sollen das erwachsenen-problem lösen
Der Klub lud 9.000 Schulkindern ins Stadion ein, die 2017 als Zuschauer die United-Remonte miterlebten. Jetzt sollen sie als Zwölfjährige auf der Südtribüne stehen und die Profis erinnern, dass Fußball vor allem eins ist: ein Spiel. Der Kapitän wird sie vor dem Anpfiff in den Mittelkreis holen. Aspas‘ Plan: „Wenn sie lächeln, schämen wir uns für jeden Ball, den wir verlieren.“
Die Wette ist gewagt. Kinder machen Druck, aber sie verteidigen keinen Konter. Für die nackte Taktik bleiben 90 Minuten, in denen die Celta mindestens alle 22 Minuten treffen muss. Dazu bräuchte sie 18 Schüsse aufs Tor – sie kamen im gesamten Hinspiel auf zwei.
Der pokal hat zwei gesichter
Wenn das Wunder misslingt, endet trotzdem keine Saison, sondern ein Traum. Der Klub kassiert dann 1,4 Millionen Euro für das Erreichen des Viertelfinals plus Zuschlag für den Liga-Sechsten. Das reicht, um die Schulden unter die 30-Millionen-Marke zu drücken und den Neubau des Trainingszentrums zu finanzieren. Für sportliche Großtaten reicht es nicht. Aber vielleicht für die nächste Generation, die dann wieder von der Tribüne träumt.
Ab 21 Uhr zählt nur noch ein Ergebnis. Die Buchmacher geben 17,0 auf ein 4:0, die Wetterlage verspricht 13 Grad und leichten Regen – perfekt für ein Fußballmärchen. Die Realität sagt: Freiburg muss nur ein Tor schießen, und die Luft ist raus. Die Celta muss vier erzwingen, und die Zeit läuft ab der ersten Minute gegen sie. Wer trotzdem in Balaído sitzt, glaubt nicht an Statistiken. Er glaubt an 90 Minuten, in denen sich Logik und Vernunft verabschieden. Der Rest ist Galicien pur.
