Castrín schlägt zurück: sevilla ringt espanyol nieder und atmet auf
Der Estadio Ramón Sánchez-Pizjuán bebte wie in alten Zeiten. 78. Minute, 0:1-Rückstand, die Abstiegszone lauernd – da riss Andrés Castrín den Ball an der Mittellinie, spulte 35 Meter Tempodribbling ab, nahm zwei Gegenspieler mit einem Haken aus und jag die Kugel aus 17 Metern ins lange Eck. 1:1, Ausgleich, Startschuss zur Rettung. Sekunden später lag Castrín flach, die Lunge brannte, die Beine zitterten. Er weinte, nicht wegen des Tores – wegen der Last, die für einen Moment von seinen Schultern fiel.
Castrín: „ich sah die lücke und dachte: jetzt oder nie“
„Ich war fix und fertig“, gestand der 23-jährige Kanten nach dem 2:1-Sieg gegen Espanyol. „Aber ich hab den Raum gesehen, mir gesagt ‚bring was rein‘ und einfach volle Pulle draufgehalten. Danach war nur noch schwarz.“ Sein erster Ligatreffer im Sevilla-Dress bedeutet weit mehr als drei Punkte. Er steht für die Woche, in der der Klub den Coach wechselte, für den Druck, für das Stottern der ganzen Saison. „Dieses Tor ist die Belohnung für all die Kilometer, die ich versteckt gelaufen bin“, sagte Castrín und widmete den Treffer seiner Familie: „Denen schulde ich alles.“
Die Szene drehte die Partie. Auf einmal spielte nur noch Sevilla. Akor Adams, erst fünf Minuten zuvor eingewechselt, stocherte in der 88. Minute einen verwurschtelten Ball über die Linie – 2:1. Der Nigerianer sprintete zur Südkurve, riss das Trikot hoch, zeigte das Wappen. „Ich trage den Klub im Herzen“, sagte er später. „Wir wissen, was Sevilla für die Stadt bedeutet. Diese drei Punkte sind für die Fans, sie haben uns wieder auf die Beine geholt.“

Die tabelle lügt nicht – und das stadion auch nicht
Mit 38 Zählern rückt der Klub auf Rang 14 vor, vier Punkte Luft bis zum Strich. Noch ist nichts entschieden, aber die Atmosphäre spricht eine andere Sprache. 40.000 Leute blieben nach Abpfiff stehen, schmetterten „¡Sevilla, Sevilla!“ bis die Lichter ausgingen. Trainer Quique Sánchez Flórez formulierte es nüchtern: „Wir haben den Reset geschafft. Jetzt kommt Villarreal, und da fahren wir hin, um zu kämpfen, nicht zu betteln.“
Castrín wird mit Prellungen und Tränen in den nächsten Bus steigen. Adams packt seine Tornetz-Socke ein. Beide wissen: Das 2:1 gegen Espanyol ist kein Endspiel gewesen – aber vielleicht der erste Atemzug nach dem Unterwasser-Sein. Die Liga ist noch lang. Doch wer im eigenen Stadion so zurückschlägt, der darf wieder träumen. Und zwar laut.
