Carro jagt stieler durch die katakomben – dfb ermittelt

Fernando Carro ballte die Fäuste, als hätte er selbst im Sechzehner gestanden. „Wo ist der Blödmann?“ brüllte Bayer Leverkusens Geschäftsführer durch die BayArena-Unterwelt. Ziel seiner Wut: Schiedsrichter Tobias Stieler. Der Deutsche Fußball-Bund bestätigte am Montag, dass der Kontrollausschuss den Vorfall vom Samstag prüft. Carros Beleidigung war keine hitzige Randnotiz, sondern der Ausbruch eines Mannes, der sich betrogen fühlt – und der weiß, dass sein Club in der Europa-League-Saison jeden Punkt braucht.

Der moment, der carro explodieren ließ

Minute 67. Patrik Schick wird von Dominik Kohr mit beiden Armen umklammert, fällt. Stieler pfeift nicht. Der Video-Assistent greift nicht ein. Kurz nach dem Abpfiff steht Carro vor der Schiedsrichterkabine, rot im Gesicht, begleitet von Sicherheitskräften. „Für mich war das ein klarer Elfer“, sagt er später. „Stieler sprach von beidseitigem Ringen. Aber wenn du nicht auf den Ball schaust, ist das kein Ringen, das ist Wrestling.“

Kasper Hjulmand kann es nicht fassen. „Wenn das kein Elfmeter ist, muss mir jemand die Regeln erklären“, murrt der dänische Cheftrainer. Die Statistik liefert ihm recht: Schick hatte 93 Prozent Ballbesitz, Kohr null Blickkontakt. Dennoch blieb es beim 1:1. Leverkusen rutscht auf Rang sieben, die Champions-League-Plätze sind zwei Zähler entfernt. Die Saison ist noch lang, aber die Nerven liegen blank.

Was carro droht – und was der dfb schweigt

Was carro droht – und was der dfb schweigt

Der Paragraf 51 der DFB-Disziplinarordnung sieht bei Beleidigungsspielern Geldstrafen bis zu 50 000 Euro oder Platzverbote vor. Carro ist kein Spieler, sondern Geschäftsführer. Das macht die Lage undurchsichtig. Der Verband schweigt zu möglichen Sanktionen, intern heißt es lediglich: „Wir prüfen sorgfältig.“ Dabei hat der 61-jährige Ex-Banker bei Bayer mehr Macht als viele Trainer. Seine Worte wiegen schwerer, weil sie aus dem Herzen der Geschäftsetage kommen.

Intern wackelt nichts. Carro genießt Rückendeckung von Rudi Völler, der ihn 2019 holte. „Er lebt den Club“, sagt der Sport-Vorstand. Doch genau das ist das Problem: Wer den Club so sehr liebt, dass er Schiedsrichter beschimpft, riskiert ihn langfristig zu schaden. Die nächsten Wochen zeigen, ob Leidenschaft oder Anstand gewinnt. Die Meisterschaft ist vorbei, die Moral nicht.