Campregher kracht auf monsterbakken – sturz-drama vor vikersund

Er wollte nur noch Anzüge testen, stattdessen liegt Andrea Campregher mit schmerzverzerrtem Gesicht im norwegischen Schnee. Der 24-jährige Ex-Weltcup-Springer rutschte am Donnerstag nach dem Absprung auf der Kulm von Vikersund aus, sein linker Ski kippte ab, der Körper drehte sich wie ein Kreisel. Sekunden später knallte er auf die Piste, rollte den Hang hinunter und blieb erst im flachen Auslauf liegen.

Rettung in rekordzeit

Die Helfer sprinteten, noch während Staub wirbelte. Campregher lag reglos da, die Hand vor dem Gesicht. Ersthelfer stabilisierten Halswirbel und Beine, dann ging es auf der Trage durch den Fangzaun ins Krankenhaus nach Drammen. Erste Scans zeigen: keine Frakturen, keine innere Blutung. Ein Arzt spricht von „einem Wunder“, doch der Italiener klagt über heftige Schmerzen im Brustkorb – ein Rippenbruch ist nicht ausgeschlossen.

Die Szene erinnert an Janne Ahonens Horror-Crash 2008, nur dass Campregher nicht einmal mehr auf der Weltcup-Startliste steht. Nach zwei Top-Ten-Platzierungen verließ er die Tour, weil die Sprungschule in Predazzo ihn als Coach brauchte und China ihn als Anzug-Berater buchte. In Vikersund sollte er neue Gewebe auf 250 Meter Flugdistanz testen – stattdessen testet das medizinische Personal nun seine Belastbarkeit.

Monsterbakken zeigt keine gnade

Monsterbakken zeigt keine gnade

Der Anlauf ist 105 Meter lang, der kritische Punkt liegt bei 195 km/h. Wer hier die Kante verliert, fliegt buchstäblich ins Leere. Campreghers erster Versuch endete mit einem Notabbruch, beim zweiten verhakte sich der Skispitze im Seitenwind. Videobilder zeigen, wie er die Arme ausfährt, als wolle er sich an der Luft festkrallen. Dann kommt der Aufprall, dumpf, laut, ungebremst.

Für die Organisatoren ist der Zwischenfall ein Albtraum. Am Wochenende stehen zwei Einzelbewerbe für Männer und Frauen an – mit vollen Zuschauerrängen und Millionen TV-Zuschauern. Die FIS prüft, ob die Windampel früher hätte greifen müssen, doch die Messwerte lagen innerhalb der Toleranz. Sprung-Bauchef Jürgen Eckmann versichert: „Die Schanze ist sicher, der Wind war das Problem.“

Campregher selbst schickt via Team-Chat ein Foto aus dem Rettungswagen – Daumen hoch, Maske ab, leicht verschmitzter Grinsen. „Ich fliege wieder“, schreibt er auf Italienisch. Ob er es wirklich tut, steht in den Sternen. Die Flugphase auf Vikersund vergeht in vier Sekunden, doch die Erinnerung an diesen Donnerstag wird ihm länger in den Knochen sitzen.