Bvb-frauen feiern pokal-triumph im bus – wegen fehlender kohle
Der DHB-Pokal lag noch warm in Händen, da saßen sie schon wieder im Bus. Kein Hotel, kein Frühstück, kein ausschlafen. Die BVB-Handballerinnen holten nach 29 Jahren den zweiten Titel – und mussten die Siegesparty auf der A8 feiern. Grund: Der Klub konnte sich keine zusätzliche Nacht in Stuttgart leisten.
Die nacht war zu teuer – also ging’s direkt heim
Trainer Henk Groener hatte es anders geplant. „Ich wollte mit der Mannschaft vor Ort bleiben, damit sich die Spielerinnen erholen können“, sagte der 65-Jährige nach dem 35:30 gegen HSG Bensheim/Auerbach. Doch die Rechnung war klar: drei Extra-Nächte, dazu Essen und Transport – das übersteigt den Etat. „Wir können’s uns schlicht nicht leisten“, sagte Groener. Die Liga ruft schon am Mittwoch gegen Göppingen.
Torhüterin Sarah Wachter, zur MVP des Finals gekürt, packt’s mit Humor: „Erster Titel meines Lebens – mir egal, wo wir feiern.“ Also ging’s rein in den Nachtbus, Musik aus dem Handy, Cola statt Sekt. Spielmacherin Alina Grijseels hatte vorher schon in der Kabine abgekocht – Kelly Vollebregt und Lisa Antl bekamen eine Sektdusche, bevor sie in ihre trockenen Hoodies schlüpften. Klitschnass, aber glücklich.

11 000 Euro pokalprämie reichen nicht mal für zimmer
Der Deutsche Handball-Bund überweist 11 000 Euro an den Sieger. Für Profiverhältnisse ein Taschengeld – und schon gar nicht geeignet, spontan 20 Hotelzimmer zu blockieren. Die Summen zeigen die Schere: Bensheim kassiert 8000 Euro, Blomberg-Lippe 6500, Thüringer HC 5500. Dazu kommt für alle eine pauschale Reisekostenerstattung von 3500 Euro. Selbst damit bleibt kein Spielraum für Luxus.
Ein Blick auf die Männer-Bundesliga zeigt, warum die Geschichte mehr ist als eine kuriose Anekdote. Dort buchen Clubs nach Pokalspielen ohne mit der Wimper zu zucken Suiten im Hilton, mieten eigenen Bus plus Fahrer und lassen den Champagner kältern. Bei den Frauen zählt jeder Cent. Der BVB ist kein armer Verein, aber die Handball-Budgets sind separat – und kleiner.

Die nächste hürde wartet schon
Mitternacht, Autobahn Richtung Ruhrgebiet. Der Pokal wandert von Sitz zu Sitz, Selfies inklusive. Um 3:30 Uhr rollt der Bus vor der Halle in Dortmund. Training ist trotzdem am Montag. „Die Mädels wissen, was Sache ist“, sagt Groener. Am Mittwoch empfangen sie Göppingen – ein Gegner, der sich nicht für Stuttgart interessiert, sondern für die Punkte oben in der Tabelle.
Die Realität des Frauenhandballs holt die Heldinnen also schneller ein als jede gegnerische Abwehr. Ein Sieg, der Geschichte schreibt, wird im Sitzen gefeiert. Aber vielleicht macht genau das die Truppe stärker. Wer nach so einer Nacht noch gewinnt, der hat mehr als nur eine Trophäe verdient.
