Buchwald erinnert sich: wm-triumph 1990 und verpasste chance 1994
Kalteringen, Italien, Johannesburg – Namen, die für Guido Buchwald mehr sind als nur Orte. Der ehemalige Weltmeister und Ehrenspielführer des VfB Stuttgart blickt im Gespräch mit SWR Sport zurück auf den Triumph von 1990 und die bittere Enttäuschung von 1994. Und er spricht offen über die aktuelle Nationalmannschaft und ihre Chancen bei der anstehenden WM in Nordamerika.
Die vorbereitung in kaltern und der spuckvorfall
„Es fing schon an mit der Vorbereitung in Kaltern in Südtirol“, erinnert sich Buchwald. „Da haben wir schon so ein richtiges WM-Gefühl bekommen.“ Das Turnier selbst war geprägt von dramatischen Momenten, darunter der legendäre Spuckvorfall von Frank Rijkaard gegen Rudi Völler im Viertelfinale gegen die Niederlande. „Das Holland-Spiel, die Spuckattacke… das bleibt natürlich hängen“, so der frühere Verteidiger.

1994: Eine verpasste chance
Die WM 1994 in den USA verlief für die deutsche Mannschaft deutlich weniger erfolgreich. Buchwald spricht offen über die Stimmungslage im Team: „Wir sind angekommen und ich glaube kaum jemand hat gemerkt, dass gerade eine Weltmeisterschaft stattfindet.“ Die fehlende Euphorie, interne Probleme und die Aberkennung von Stefan Effenberg trugen zu einem frühzeitigen Ausscheiden bei. „Wir hätten mit Sicherheit mit mehr Fokus auf das Wesentliche auch wieder Weltmeister werden können. Das tut im Nachhinein unbeschreiblich weh, dass man diese Chance einfach so liegen gelassen hat.“

Die wm 2026: hoffnungsschimmer nach finnland
Die anstehende WM in Nordamerika wirft viele Fragen auf. Buchwald zeigte sich vor drei Wochen noch skeptisch, doch das überzeugende 4:0 gegen Finnland hat ihn umgestimmt: „Nach dem Finnland-Spiel muss ich sagen, das hat mir gefallen. Die Mannschaft hat gewirkt wie eine Mannschaft.“ Der Einfluss von Rudi Völler scheint dabei eine wichtige Rolle zu spielen. Ob die deutsche Mannschaft in der Lage sein wird, die Herausforderungen der WM zu meistern? Die Antwort wird sich in den kommenden Wochen zeigen.
Die WM wird sicherlich anders als 1994 sein. Damals prangerten viele die fehlende Begeisterung in den USA. Heute, mit Stars wie Lionel Messi und Thomas Müller, die auch in Nordamerika spielen, dürfte der Fußballzirkus eine ganz andere Dimension erreichen. Aber Buchwald hat Recht: Das Wesentliche zählt. Und dieses Wesentliche scheint nach dem Sieg gegen Finnland wieder im Blick der Mannschaft zu sein. Die WM 2026 könnte eine neue Ära für den deutschen Fußball einläuten – eine Ära, in der die Mentalität der Weltmeister von 1990 wieder im Vordergrund steht.
