Brown fliegt weiter, uzun fliegt heim – so brutal ist die wm
Nathaniel Brown lacht, Can Uzun weint. Am selben Wochenende. Der eine rast mit Deutschland ins Achtelfinale, der andere packt mit der Türkei schon die Koffer. Freundschaft hin oder her – die WM trennt Welten.
Zwei eintracht-kumpels, zwei universen
Noch vor Tagen posierten sie gemeinsam für die Eintracht-Instagram-Story, diskutierten halb scherzhaft, wer denn nun der bessere linker Außenverteidiger sei – David Raum oder Ferdi Kadıoğlu. Theorie. Denn was seit Samstag Realität ist, sprengt jede Komparativ-Liste.
Brown stand in Glendale 90 Minuten lang gegen die Elfenbeinküste, schob sich immer wieder in die Zentrale, klärte in der 34. Minute auf der Linie, hätte in der 89. Minute sogar selbst treffen können. Der 21-Jährige hat Nagelsmanns Schnellkurs auf der linken Bahn bestanden und dürfte auch gegen Ecuador wieder von Beginn an ran. Sein Marktwert steigt parallel zur Siegesserie – FC Bayern soll die Ablöse längst gepackt haben.
3000 Kilometer weiter, im Stadion von Houston, stand Can Uzun nach dem Abpfiff mit Tränen im Gesicht da. 62 Schüsse, null Tore. Die Statistik brennt. Die Türkei, nach 24 Jahren WM-Rückkehr als Geheimtipp gehandelt, ist nach zwei Spielen raus. Uzun war gegen Paraguay erst in der 60. Minute gekommen, vergab in der 89. Minute frei vor dem Tor – und wusste Sekunden später, dass diese Szene seine bislang einzige WM-Minute bleiben wird.

Ein wechselbad aus emotionen
Die Eintracht-Gruppe chatte trotzdem noch. Brown schickte laut Teamumfeld kurz nach dem 2:1-Sieg ein Bild vom Kabinenfests – Uzun antwortete mit einem Emoji, das zwischen Ironie und Neid schwankt. „Wir haben uns versprochen, nach der WM gemeinsam Urlaub zu machen“, sagte Brown im Mixed-Zone-Gespräch mit Sportschau. „Dann erzählt er mir, wie es ist, in drei Minuten vom Hoffnungsträger zum Depp zu werden.“
Das nächste Bundesliga-Treffen rückt näher. Brown mit Selbstvertrauen, Uzun mit offener Rechnung. In Frankfurt wird man die beiden Seiten eines Turniers vereinen, das sie in nur 72 Stunden für immer trennte.
