Bronze statt gold: denise herrmann-wick fordert komplett-reset für den biathlon-standort d
37 Medaillen blieben in Antholz im Regen stehen – nur eine kleine Bronze hing am Ende um den Hals der Mixed-Staffel. Für Denise Herrmann-Wick klingt das nicht nach Pech, sondern nach einem Systemstillstand. „Wir müssen jeden Stein umdrehen, in alle Richtungen“, sagt sie knapp, und das klingt bei ihr nicht nach Phrase, sondern nach Kampfansage.
Ein hauch von 0,3 prozent rückstand reicht für das aus
Was wie eine Nuance klingt, entscheidet im Weltcup über Podest oder Publikumsplatz. Jens Filbrich, Disziplintrainer und sonst eher der Mann der ruhigen Worte, rechnet vor: „Schon mit 0,3 oder 0,4 Prozent Laufrückstand ist man heute chancenlos.“ Die Franzosen und Norweger haben ihre Ski offenbar exakt diese minimalen Zehntel schneller gemacht – und damit die Deutschen längst überholt.
Filbrichs Reaktion klingt wie ein Trainingsplan für Selbstkritiker: Gespräche mit den Läufern, Jahresplanung über Bord, Material-Check, Ursachenforschung. Kein Jargon, keine Floskeln, nur die nüchterne Feststellung, dass man hinterherhinkt. Und das, obwohl die Techniker „alles geben“. Der Satz bleibt hängen, weil er offen lässt, ob das reicht.

Sven fischer fordert führung – und zwar sofort
Olympiasieger Fischer, sonst eher der Charmeur im Studio, schaltet auf Durchzug: „Die Verbandsführung muss handeln, damit wir wieder konkurrenzfähig werden.“ Er nennt keine Namen, aber er meint jene, die am kommenden Mittwoch den Nachfolger für den scheidenden Sportdirektor Bitterling präsentieren. Die Entscheidung, so Fischer, sei „die Richtungsentscheidung für die nächsten Jahre“. Kein Druck, nur Fakt.
Frauen-Bundestrainer Kristian Mehringer sieht die Hausaufgaben klar: Kondition, Schießen, Material – alles gleichzeitig, nicht erst morgen. „Das geht nicht von heute auf morgen“, sagt er und liefert damit das ungeliebte Stichwort: Zeit. Genau die hat Deutschland aber kaum, wenn die Weltspitze schon wieder testet, während wir noch suchen.
Die Bilanz ist gnadenlos: 1 von 33 Medaillen. Hinterher sind alle Experten. Vorn will künftig wieder die DSV-Blau-Truppe stehen. Ob das reicht, entscheidet sich nicht an der Schießanlage, sondern in den Köpfen – und auf den Besprechungszetteln der nächsten Wochen.
