Brignone wirft das handtuch: olympiasiegerin bricht finale ab
Federica Brignone geht nicht mehr auf die Piste. Die 33-Jährige, die vor sechs Wochen in Cortina d’Ampezzo noch Doppel-Olympiasiegerin wurde, reist nicht nach Val di Fassa. Ihr Körper verlangt nach dem Konto, das sie Monate lang hintangestellt hat.
Die Italienerin verzichtet auf die letzten drei Weltcup-Wochenenden – auch die Finali in Are und in Norwegen fallen für sie aus. Stattdessen kehrt sie ins J Medical zurück, jene Klinik in Turin, in der sie nach ihrem Kreuzbandriss vom 3. April 2025 zehn Monate lang revalidierte.

„Ich habe zu viel verlangt“
„Ich habe meinem Körlichkeit Grenzen abverlangt“, sagt Brignone. „Vom ersten Tag nach der Verletzung war nur Milano-Cortina 2026 im Kopf. Die Doppel-Gold-Medaille war das Mirakel. Nun zahle ich die Rechnung.“
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Seit ihrem Comeback am 8. Februar holte Brignone in nur vier Rennen zwei Siege und einen zweiten Platz. Dabei fuhr sie mit 120 km/h in den Super-G, obwohl das rechte Knie seit der Operation nur 80-prozentig belastbar ist. Sportdirektor Alberto Marchioni bestätigt: „Federica hat ihr Limit längst überschritten.“
Für den italienischen Ski-Verband bedeutet der Rückzug personelle Schieflage. In Val di Fassa muss Trainer Massimo Rinaldi nun auf Sofia Goggia, Laura Pirovano und Elena Curtoni setzen – ein Trio, das in dieser Saison erst zwei Podestplätze gesammelt hat. Die Konkurrenz aus Schweiz und Österreich reist mit komplettem Kader an.
Brignone selbst blickt nach vorn. Sie will bis Mai vollständig genesen, um im Sommertraining bereits wieder Slalom-Stangen umlegen zu können. Ihr Vertrag läuft bis 2027, doch die Frage bleibt: Kann eine Athletin, die sich einmal so sehr überbot, wieder auf Normalmodus umschalten?
Die Antwort liefert die Stimme am Telefon. Brignone lacht, kurz, heiser. „Ich bin keine Maschine. Aber ich bin auch noch nicht fertig.“ Dann legt auf. Die Piste wartet – nur eben nicht diesen März.
