Bremen dreht 180 grad – public viewing kommt doch

Nur 24 Stunden vor dem Anpfiff zur WM kippt der Bremer Rathaus-Chef seine Blockade. Der Hillmannplatz verwandelt sich in ein 1.500-Fan-Fest – mit Curry von Jamaika, Bier aus dem Biergarten und einer 50-Quadratmeter-Leinwand, die das erste DFB-Spiel gegen Curaçao live zeigt.

Ein deal in allerletzter sekunde

Die Meldung sorgte am Freitagvormittag für offene Münder: „Genehmigung erteilt“ stand auf dem Papier, das Bilal Catruat, Betreiber der Diskothek Groove, um 9:47 Uhr in die Hand gedrückt bekam. Der 38-Jährige hatte noch am Vorabend mit seinem vierköpfigen Orga-Team die Teamsitzung abgebrochen, weil die Stadt signalisiert hatte, keine Sondernutzungserlaubnis auszustellen. Grund: fehlende Sicherheitskonzepte und Fluchtwege.

Doch eine nächtliche Schicht der Ordnungsämter, Feuerwehr und Polizei drehte den Spieß um. Vier Beamte, zwei Brandschutzexperten und eine Verkehrsplanerin lieferten bis 6 Uhr ein Konzept, das nun sogar als Pilotprojekt für weitere Public-Viewing-Zonen in der Innenstadt gilt. Drei Zufahrtsstraßen werden gesperrt, ein Sicherheitskorridor von 15 Metern um die Leinwand gezogen, und das Awareness-Team der Uni Bremen patrouilliert als mobile Streitschlichter-Truppe.

Kein profit, nur emotion

Kein profit, nur emotion

Die Rechnung ist schnell gemacht: FIFA-Lizenz plus GEMA plus Technik plus Security – rund 38.000 Euro Kosten. Einnahmen? Nur das, was über Getränke und Essen läuft. „Rechnet sich nicht“, sagt Catruat rau im Hals, nachdem er seit 36 Stunden nur Kaffee und Energy trinkt. „Aber wir wollten einfach, dass Bremen nicht als Fußball-Wüste dasteht.“

Der Clou: die Food-Stände. Kein einziger Cent Miete – dafür Pflichtprogramm internationaler Küche. Ghanaisches Jollof, syrische Falafel, vietnamesische Pho. „Wer seine Oma mitbringt und sie kocht, bekommt den Stand geschenkt“, scherzt Catruat halb im Ernst. Erster Anmelder war gestern Abend eine kolumbianische Tanzgruppe, die für Empanadas und Salsa-Workshops warb.

Das erste match, das alle vereint

Das erste match, das alle vereint

Sonntag, 19 Uhr, Deutschland gegen Curaçao – das sieht nach klarem Favoriten aus, doch im Fanblock wird es bunt. Etwa 300 Curaçao-Fans haben sich laut Fanclub „Dushi Tricolor“ angemeldet und eine Karawane von Amsterdam nach Bremen organisiert. Die Stadt stellt extra Shuttlebusse vom Hauptbahnhof bereit. Wer keine Karte für die Arena in Hamburg ergattert hat, kann also trotzdem Mitfiebern.

Und wenn der Platz mal voll ist? Dann schaltet die Technik-Crew auf „Silent Viewing“ um – Kopfhörer für alle, Sound über Funk. Erstmalig in Deutschland. Wer wissen will, ob das klappt, sollte Samstag um 16 Uhr vorbeikommen. Dann läuft der Probeton mit Highlights des Sommermärchens 2006 – und Tim Borowski schneit vermutlich vorbei, um die LED-Leinwand zu segnen.