Braunschweigs handballer schmeißen die vw-halle wieder auf – diesmal mit derby-feuer
Die Volkswagen-Halle bebt wieder. Am Freitagabend verwandelt sich der 4300-Personen-Kessel in Braunschweig in ein kochendes Handball-Kraftwerk. Der MTV Braunschweig empfängt zum zweiten Mal in dieser Saison die Konkurrenz – und diesmal steht mehr auf dem Spiel als Punkte. Es ist das Derby gegen Eintracht Hildesheim.
Kein normaler Spieltag. Die Zuschauer, die sonst in der engen Alten Waage drängeln, erleben ein Großevent. Seit 2018 wagt der Tabellenführer der 3. Liga Nord-Ost diesen Schritt zweimal pro Saison: raus aus der vertrauten Halle, rein ins Großstadiongefühl. Der Grund ist schnell erklärt – 4300 Fans sind 4300 Fans. Die Zahl zieht. Sie zog schon im November, als der MTV den SC Magdeburg mit 37:31 wegschickte.
Das Experiment ist längst Alltag geworden. Die Verantwortlichen sprechen nicht mehr von „Tests“, sondern von „fixem Bestandteil“. Die Spieler fühlen den Unterschied. Die Laufwege werden länger, der Schritt aufs Parkett ein anderer. Die Akustik wandelt sich – jeder Kontakt hallt doppelt so laut. Und die Gegner? Die spüren, was Braunschweig unter Heimvorteil versteht.

Hildesheim will die revanche und den k.o.
Die Eintracht reist mit Feuer im Bauch an. Im Hinspiel zerlegten die Niedersachsen die Braunschweiger mit sieben Toren Differenz. Seitdem sind sie auf Platz vier abgerutscht, doch das Derby ist ein eigenes Kapitel. „Die werden alles reinwerfen“, warnt MTV-Coach Volker Mudrow. Er kennt die Rivalität. Seine Spieler auch. Die Erinnerung an die 24:31-Niederlage vom Oktober brennt noch.
Mudrow schickt keine leeren Phrasen ins Rund. Er spricht von „abgeschossen“, nicht von „verloren“. Das Wort trifft den Kern. Sein Team lief einer Schmach hinterher. Die Statistik spricht laut: Hildesheim gewann drei der letzten fünf Duelle. Die VW-Halle könnte den Befreiungsschlag liefern – oder die nächste Blamage besiegeln.
Die Zahlen vor Ort sind gnadenlos. 4300 Zuschauer erwarten Spektakel. Die Halle ist seit Tagen ausverkauft. Wer jetzt noch ein Ticket will, muss sich auf zweistellige Preise im Online-Wiederverkauf einstellen. Die Nachfrage ist so groß wie vor zwei Jahren, als das letzte Derby in der VW-Halle stattfand – und Braunschweig sich mit 29:28 durchsetzte. Die Erinnerung hält die Stimmung hoch.
Anpfiff ist um 19.30 Uhr. Dann entscheidet sich, ob der MTV seine Tabellenführung ausbaut oder Hildesheim die Saison wieder auf Kurs bringt. Die Spieler haben ihre Handschuhe bereit. Die Fans ihre Choreos. Die Volkswagen-Halle hat ihre Tore geöffnet. Und der Rest ist reine Handball-Physik – wer zuerst trifft, wer lauter brüllt, wer am Ende die Köpfe hebt.
Die Antwort kommt live. Ohne Netz, ohne doppelten Boden. Nur mit dem Schlag eines Leders auf Holz – und dem Echo von 4300 Stimmen, die bereit sind, ein neues Derby-Kapitel zu schreiben.
