Brasil stolpert: ancelotti verteidigt taktik nach remis gegen marokko

East Rutherford – Ein erschütternder Start in die WM für Brasilien! Das Team von Carlo Ancelotti musste sich am Dienstagabend mit einem 1:1-Unentschieden gegen Marokko begnügen. Der italienische Fußballgott steht nun vor einer Zerreißprobe und muss innerhalb kürzester Zeit die Weichen für den weiteren Turnierverlauf stellen. Die Fans sind unzufrieden, die Medien kritisch – und Ancelotti bleibt cool, zumindest nach außen.

Ancelotti wehrt kritik an späten wechseln ab

Die Diskussionen um die späten Auswechslungen von Ancelotti brodeln bereits. Der Trainer ließ die Frage nach möglichen Verspätungen in den Wechseln mit einem Achselzucken und einem leichten Grinsen beantworten. „Der Weltmeistertitel wird nicht am ersten Spieltag entschieden“, betonte er in der Pressekonferenz. Doch die Bilder sprachen eine deutliche Sprache: Ein Brasilien, das wirkte, als ob es sich zu sehr auf seine vermeintliche Starbesetzung verließ, anstatt ein echtes Team zu bilden.

Ein taktisches Rätsel: Ancelotti spielte die Unzufriedenheit herunter und verwies auf die bereits vorgenommenen Wechsel: „Zwei Spieler zur Halbzeit, zwei weitere nach siebzehn Minuten. Also, ich war nicht langsam.“ Doch die Wahrheit ist bitter: Brasilien wirkte an diesem Abend verloren, langsam und ohne die nötige Durchschlagskraft. Die Mittelfeldformation mit Bruno und Casemiro wurde von den marokkanischen Spielern dominiert, während die Angreifer isoliert agierten.

Das Marokko hatte die Kontrolle über das Spiel. Sie präsentierten ein starkes Kollektiv mit bemerkenswerten Einzelkünstlern, allen voran Bouaddi. Ihre Taktik war durchdacht: sowohl schnelles Passspiel als auch tödliche Konter, wie der Treffer von Saibari, zeigten die Klasse des Teams. Brasilien hingegen wirkte wie ein Haufen Einzelspieler, die nicht wussten, wie sie zusammenarbeiten sollen. Igor Thiago, Raphinha und Vinicius kehrten häufig nicht schnell genug in die Defensive zurück.

Die Umstellung auf ein 4-2-4-System brachte keine Wende. Stattdessen müssen zwei Dinge dringend verbessert werden: die Teammentalität und die Auswahl der Spieler. Matheus Cunha zeigte gegen Thiago eine bessere Leistung, Fabinho agierte im Mittelfeld stärker als Casemiro, und Luiz Henrique schadete weniger als Paquetà. Auch Danilo, der hinter Ibanez spielte, wirkte solider – vermutlich, weil Marokko in der zweiten Halbzeit das Tempo drosselte.

Die nächste hürde: haiti wartet

Die nächste hürde: haiti wartet

„Ich spreche nicht über einzelne Spieler“, erklärte Ancelotti. Er räumte ein, dass sein Team im ersten Durchgang nervös wirkte und den Ball zu oft verlor. „Die nächste Partie gegen Haiti am Freitag in Philadelphia wird besser“, versprach er. Und er wird vermutlich die Mannschaft tauschen. Haiti hat zwar gegen Schottland knapp verloren, doch sollte man sie keinesfalls unterschätzen. Ancelotti könnte auf eine stärkere Mittelfeldpräsenz setzen, beispielsweise mit Ederson (Atalanta) oder Danilo Santos. Ein Angriffstrio aus Raphinha, Cunha und Vinicius wäre ebenfalls denkbar. Die Forderungen nach einem Einsatz von Endrick werden lauter, doch Ancelotti scheint noch nicht bereit, das junge Talent ins kalte Wasser zu werfen.

Ein unbequemer Fakt: Brasilien hat seit 2002 nicht mehr die Weltmeisterschaft gewonnen. Der Druck auf Ancelotti steigt, und die Kritik wird lauter. Felipe Melo griff den Trainer bereits öffentlich an und warf ihm taktische Fehler vor. Brasilien gegen Haiti wird somit zu einem entscheidenden Spiel – ein Weckruf für die Seleção.

Die Hoffnung stirbt zuletzt. Ancelotti hat in seiner Karriere schon so einige Krisen gemeistert. Doch diesmal steht er vor einer besonderen Herausforderung. Brasilien muss sich finden, bevor es zu spät ist. Denn eines ist klar: Der Weg zum WM-Titel ist lang und steinig – und der erste Stolperstein ist bereits überwunden worden.