Bossi, das chamäleon der curva: inter-vater, milan-gefangener, atalanta-lombard
Umberto Bossi hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass sein Herz schwarz-blau schlägt – doch seine Kinder zwangen ihn, rot-schwarz mitzufiebern. Der Lega-Gründer, im Volksmund il Senatùr, war der Inbegriff des politischen Taktikers, auch auf der Tribüne.

Von san siro bis bergamo: eine karriere in drei farben
Die Geschichte klingt wie ein Drehbuch für eine italienische Fußball-Tragikomödie. In den 90er-Jahren saß Bossi regelmäßig in der Scala del Calcio, wie die Mailänder den Jungbrunnen ihrer Stadt nennen. Doch statt der Nerazzurri landete er oft bei den Rossoneri – „wegen der Kinder“, wie er gern betonte. „Riccardo und die anderen wollten Milan sehen, also schalteten sie um, wenn Inter lief.“
Der damalige Minister Roberto Maroni, leidenschaftlicher Milanista und enger Vertrauter, lachte damals über den „Vater wider Willen“. Die beiden führten die Liga Nord durch Höhen und Tiefen, während ihre Klubs auf dem Rasen um Scudetti kämpften. 1993, beim 3:0 der Milan-Juventus, quittierte Bossi seine Präsenz mit einem trockenen: „Ich bin hier nur als Kindesvater, nicht als Fan.“
Die Wende kam, als der Varese Calcio ihm die Ehrenmitgliedschaft Nummer 1 überreichte. Bossi nahm sie entgegen, ohne viel Federlesens. Später, als die Lega sich in den bergamasken Raum ausdehnte, entdeckte er die Atalanta als „Spiegel der lombarden Seele“. plötzlich war er tifoso della Dea – aus politischem Kalkül, wie Insider wissen.
Die Zahlen sprechen für sich: Bossi besuchte in 30 Jahren 127 Inter-Spiele, 63 Milan-Partien und gerade einmal sieben Atalanta-Heimspiele. Der Rest war Wahlkampf. Denn für den Senatùr war jedes Stadion ein Wahlkampfzelt, jedes Tor ein Slogan, jedes Schiedsrichter-Pfeifen ein Stich gegen Rom.
Heute, im Ruhestand, soll er wieder regelmäßig in Curva Nord sitzen – diesmal ohne Kameras, ohne Mikrofon, nur mit schwarz-blauer Fahne. Die Kinder sind erwachsen, die Macht verflogen, das Trikot wieder sein eigenes. Endlich.
