Borussia dortmund wirft kehl raus – elversbergs ole book muss jetzt den kopf hinhalten

Ole Book sitzt seit 48 Stunden auf dem heißesten Stuhl des deutschen Fußballs. Nach dem Rauswurf von Sebastian Kehl hat Borussia Dortmund den Sportvorstand der SV Elversberg zum neuen Sportdirektor erkoren – und ihm gleichzeitig das Schicksal aufgeladen, das Kehl erledigt hat: einen eingeklemmten Verein wieder in die Spur bringen, während alle mitreden wollen.

Der 40-Jährige verlässt eine Provinzklause, in der er allein das Sagen hatte, und betritt ein Machtgewirr aus Lars Ricken, Matthias Sammer und der gesamten Klub-Familie, die sich seit Jahren gegenseitig die Beine stellt. Almuth Schult warnte im Sport1-Doppelpass: „In Dortmund reden einige andere mit.“ Die Ex-Nationalspielerin kennt die Lautstärke im Ruhrpott. Sie weiß, dass Book keine Rückzugsmöglichkeit hat.

Warum kehl gehen musste – und warum book jetzt zahlen soll

Kehl wurde nicht entlassen, weil er zu wenig Transferbalken auf Excel hatte. Er wurde entlassen, weil der Klub keine klare Kompetenzlinie mehr ertrug. Book bekommt dieselbe Aufgabe, aber weniger Rückendeckung. Stefan Effenberg sagt es offen: „Er braucht den Zusammenhalt, den Kehl nicht hatte.“ Das klingt nach Schuldzuweisung – und nach Vorbote für das nächste Drama.

Book galt in Elversberg als Wunderwuzzi, weil er mit 4,5 Millionen Euro Jahresetat den Aufstieg in Liga zwei schaffte. Bei Dortmund liegt allein der Budgetetat für Scouting-Ausflüge höher. Die Frage ist nicht, ob er Talent erkennt – die Frage ist, ob er Machtkämpfe überlebt. Schult stellt klar: „Er muss akzeptieren, dass nicht auf Augenhöhe kommuniziert wird.“ Das ist kein Arbeitsvertrag, das ist ein Scherbenhaufen mit Gehalt.

Die innere zerrissenheit des bvb

Die innere zerrissenheit des bvb

Wer Sammer fragt, bekommt Antworten, die wehtun. Wer Ricken fragt, bekommt Geschichten von 1997. Wer Book fragt, bekommt bislang nur ein „Wir schauen uns das an.“ Die neue Führung verspricht „Ruhe“, doch der Klub produziert seit Jahren das Gegenteil. Drei Trainerwechsel, zwei Sportdirektoren, ein Vorstandsvorsitzender, der sich selbst beim Fanclub erklären muss – das ist keine sportliche Neuaufstellung, das ist Dauerfeuer.

Book hat sich bisher nicht öffentlich geäußert. Das ist klug. Denn sobald er den ersten Leihspieler verpflichtet, den Sammer nicht absegnet, wird ihm erklärt, dass „Dortmund anders“ ist. Und wenn der erste Gegentreffer fällt, fragt die Südtribüne nicht, ob der Spieler talentiert ist, sondern warum Kehl gehen musste. Die Antwort lautet: Weil der Verein seit Jahren die eigenen Strukturen zerbröselt und nun einen Sündenbock sucht, der kleiner ist als das eigane Versagen.

Effenberg wünscht Book „dass es funktioniert“. Aber er weiß selbst: Wenn der Klub sich nicht ändert, wird auch Book nur die nächste Übergangslösung. Die Zahlen sprechen für sich: Seit 2019 hat Dortmund 830 Millionen Euro für Transfers ausgegeben – und keinen einzigen Titel geholt. Das ist kein Pech, das ist ein System. Und Book muss es jetzt reparieren, bevor es ihn selbst zerreißt.