Borussia Dortmund: Der dramatische Rettung am Rande der Insolvenz 2005
Am 14. März 2005 stand Borussia Dortmund am Abgrund. Der Verein war hoch verschuldet, mit rund 200 Millionen Euro an Verbindlichkeiten gegenüber Gläubigern. Das eigene Stadion gehörte einem fremden Fonds, und die Zustimmung von fast 6.000 Anlegern war entscheidend, um eine drohende Insolvenz abzuwenden. Dieser Tag zählt heute zu den bewegendsten Momenten des deutschen Fußballs.
Die Ursachen der Krise
Die Wurzeln der finanziellen Probleme des BVB reichten bis in die erfolgreichen 1990er-Jahre zurück. Unter Präsident Gerd Niebaum gewann der Verein 1995 und 1996 die Meisterschaft sowie 1997 die Champions League. Diese Erfolge führten zu massiven Investitionen in Spieler und Infrastruktur, inspiriert von Vorbildern wie Manchester United.
Ein entscheidender Schritt war der Börsengang im Oktober 2000, bei dem 143 Millionen Euro eingenommen wurden. Ein erheblicher Teil musste jedoch zur Begleichung alter Schulden verwendet werden. Parallel dazu wurde das Westfalenstadion zur WM-Tauglichkeit ausgebaut – auf Kreditsbasis.
Die TV-Rechtemarkt-Krise im Jahr 2002, ausgelöst durch die Insolvenz des Medienkonzerns Kirch, traf den BVB besonders hart. Hinzu kam das Verpassen der Qualifikation für die Champions League in der Saison 2002/03, was den Verein nach damaligen Schätzungen rund 40 Millionen Euro kostete.
Um liquide zu bleiben, wurde im Dezember 2002 der 75-prozentige Anteil am Westfalenstadion für rund 75 Millionen Euro an den Immobilienfonds Molsiris verkauft. Der BVB mietete das Stadion fortan für 16 Millionen Euro jährlich zurück, was die finanzielle Situation langfristig verschärfte.

Die Rettung in letzter Minute
Ende 2004 wurde das Ausmaß des Desasters öffentlich: Verluste von 67,7 Millionen Euro und ein Schuldenstand von 118,8 Millionen Euro. Präsident Reinhard Rauball sprach von einer Situation „auf Messers Schneide“. Im November 2004 übernahm der Hedge-Fonds-Manager Florian Homm knapp 26 Prozent der BVB-Aktien und wurde zum größten Einzelaktionär, der im Boulevard als „Mister Borussia“ bezeichnet wurde. Er forderte Spielerverkäufe und bezeichnete den Verein als „Saustall“. Am 14. März 2005 fuhren BVB-Präsident Rauball, Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke und Sanierungsexperte Jochen Rölfs zu einer Eventhalle am Düsseldorfer Flughafen, um die Abstimmung der 444 Gesellschafter des Immobilienfonds Molsiris zu erreichen. Ihre Entscheidung über die Zukunft des Vereins.
In letzter Minute stimmten die Stadion-Eigentümer dem Sanierungskonzept zu, wodurch die Pleite abgewendet wurde. Ein 2-Millionen-Euro-Darlehen des FC Bayern half zusätzlich, die eigentliche Rettung gelang jedoch durch den harten Sanierungskurs des BVB.