Bonaventura beendet mit 36 jahren: „ich habe nie abkürzungen genommen“

Giacomo Bonaventura hat es offiziell gemacht: Mit 36 Jahren hängt der Mittelfeldspieler seine Fußballschuhe an den Nagel. Nach 380 Serie-A-Spielen für Atalanta, Mailand und Florenz, nach einem Abstecher in die saudische Profiliga und 14 Länderspieleinsätzen für Italien ist Schluss. „Ich hatte schon länger entschieden, aber ich spürte keinen Druck, es laut zu sagen“, erklärt er im Gespräch mit Gazzetta dello Sport.

Das feuer war erloschen

Der Moment der Wahrheit kam, als ihm klar wurde: „Ich habe das Feuer nicht mehr gespürt.“ Keine Blessur, kein Trainerwechsel, kein Vereinswechsel – nur diese leise innere Stimme, die sagte: Genug. „Es bringt nichts, sich mitzuschleppen. Wenn der Spaß fehlt, ist Feierabend.“ Bonaventura hätte laut eigener Einschätzung noch ein oder zwei Jahre auf höchstem Niveau weitermachen können. Doch er lehnte Angebote ab. Drei Kinder warten zu Hause, und der Gedanke, irgendwann in einer zweitklassigen Formation nur noch mitzumachen, war ihm suspekt.

Seine beste Zeit? „Zwischen 30 und 32 Jahren“, sagt er ohne Zögern. Da habe er sich „als kompletter Spieler“ gefühlt. Die Serie-A-Statistik bestätigt es: In dieser Phase steigerte sich seine Torbeteiligung auf Rekordniveau, seine Ballgewinne in der Vorwärtsbewegung nahmen zu. Die Zahlen sprechen für sich – und doch fällt Bonaventura kein einzelnes Trikot besonders schwer. Sechs Jahre beim AC Milan prägen seine Vita, aber auch die Jahre bei Atalanta und Florenz haben ihn geprägt. „Jeder Klub war eine eigene Schule“, sagt er.

Die größte ehre war das nationalteam

Die größte ehre war das nationalteam

Kein Trophäenschrank, keine Champions-League-Siege – und doch ist Bonaventura zufrieden. „Mein größter Stolz ist das Nationalteam. Das ist der Traum jedes Jungen, der mit dem Ball aufwächst.“ Rückblicke auf verpasste Titel? Fehlanzeige. „Ich habe immer alles gegeben. Was nicht klappte, war Lehrgeld.“

Zurückhaltend war er auch in der Kabine. „Ich war nie der Lauteste“, lacht er. „Aber ab 26, 28 habe ich angefangen, jüngere Kollegen zu schützen und zu führen.“ Vorbildfunktion durch Beispiel – das war seine Devise. Trainer wie Vincenzo Italiano und Stefano Colantuono schwärmen bis heute von seiner Professionalität. „Ich habe aus jedem Coach etwas mitgenommen, gut 20 waren es insgesamt“, rechnet er vor.

Der nächste schritt: trainer oder familienmann?

Die Lizenz für die Trainerbank zieht er dennoch in Erwägung. „Als Spieler dachte ich: Sofort! Jetzt, wo Schluss ist, fehlt zwar der Drang, aber das kann sich ändern.“ Funktionär oder Berater? „Nicht mein Naturell.“ Stattdessen erfüllt ihm momentan die Zeit mit Frau und Kindern die Lücke, die der Profisport hinterlässt. „Ich will spüren, was mich wirklich antreibt, bevor ich die nächste Tür aufstoße.“

Sein Rat an Nachwuchskicker: „Geduld. Man wird nicht von heute auf morgen gut.“ Dieses Mantra hat er selbst gelebt – und beweist damit, dass eine Karriere ohne Skandale und ohne abgekürzte Wege am Ende die lohnendste Belohnung ist: Respekt. Kein Pokal, keine Medaille kann das toppen.