Bochum dreht 1:2-rückstand in 180 sekunden und schmettert kaiserslautern raus

Am Freitagabend schrie der Ruhrstadion-Boden unter den Füßen von 22 Spielern – und am Ende jubelte nur der VfL. Drei Minuten reichten dem Tabellen-Vorletzten, um eine Saison vom Abgrund wegzuziehen und die Roten Teufel endgültig in die Bedeutungslosigkeit zu stoßen. 3:2 hieß es, 70 Minuten lang hatte Kaiserslautern die Oberhand, dann kam der Doppelschlag.

Marshall und pannewig schlagen ein loch in die zweitliga-tabelle

Callum Marshall, bislang eher Joker denn Held, vollstreckte nach Flanke von Bero zunächst per Rechtsfuß (66.). Noch hatten die 14 000 Zuschauer nicht durchgeatmet, da legte Mats Pannewig nach – erneut ein Konter, erneut keine Antwort der Beton-Abwehr. Zwischen 66. und 69. Minute sackte der Rückstand auf Rang 16 von sieben auf zehn Punkte – ein psychologischer Knall, der bis in die Kabine der Pfälzer hallt.

Die Gäste hatten alles richtig gemacht, beinahe alles. Hofmanns Kopfballtor (9.) war nur ein Aufreger gewesen, ehe Norman Bassette mit einem Distanzschlenzer den Ausgleich erzielte (30.). Nach der Pause schwang sich Marlon Ritter sogar zur Einzelaktion auf, ließ Onyeka mit einer Drehung stehen und schob cool ein (50.). Trainer Dirk Schuster winkte noch, seine Bank tobte – vermeintlich sicher. Doch der VfL warf sich in jeden Zweikampf, spielte mit dem Messer zwischen den Zähnen, bis der Lucky Punch folgte.

Die Zahlen danach: Bochum klettert auf 29 Punkte, sieben vor dem Relegationsrang, elf vor dem direkten Abstiegsplatz. Kaiserslautern bleibt bei 36 Zählern, der Anschluss zu den Aufstiegsplätzen liegt bei utopischen elf Punkten. Die Rest-Saison wird für die Traditionsmannschaft ein einziger Abnabelungsprozess von der oberen Tabellenhälfte.

Rösler: „der glaube war nie weg“

Rösler: „der glaube war nie weg“

Uwe Rösler sprach von „Kopf und Körper auf dem Platz“, lobte die „unbändige Willensleistung“. Für ihn sei das Spiel ein Sinnbild der gesamten Saison gewesen: „Wir liegen zurück, kriegen Schläge, aber wir stehen auf.“ Sportsdirektor Marc Meister atmete durch: „Wir haben uns Luft verschafft, noch nicht mehr. Aber diese Luft schmeckt verdammt gut.“

Kaiserslauterns Schuster konterte nach 180 Sekunden, die seine Pläne zerrissen: „Wir haben den Sack zugemacht, aber vergessen, ihn zuzuknoten.“ Der Coach kündigte interne Konsequenzen an, ohne Namen zu nennen. Die Leihe von Torjäger Ritter endet ohne Happy End – es war sein fünftes Tor, es hätte der Siegtreffer werden können.

Für Bochum geht es am nächsten Samstag nach Schwerin, wo der FC Hansa wartet. Dort könnte bei einem erneuten Dreier bereits die Vorentscheidung fallen. Kaiserslautern empfängt Eintracht Braunschweig, ein Debakel droht, sollte man erneut Punkte lassen. Die Saison ist noch lang, aber die Richtung ist klar: der VfL steuert auf den sicheren Hafen zu, Kaiserslautern rudert bereits mit dem Rücken zur Wand.

Die 2. Bundesliga spuckt keine Gnade aus – und der Ruhrpott hat wieder einen klaren Anführer im Überlebenskampf.