Blut, var-chaos und ein tor, das nicht zählte: super league dreht durch

Die Super League schlug in der 31. Minute durch – mit zwei Eruptionen, die das Spielfeld in einen Schauplatz aus Trikotfetzen und roten Streifen verwandelten. In Winterthur jubelten 8.400 kurz, bis der VAR den Ausgleich wieder ausradierte. 120 Kilometer weiter in Zürich blieb Lars Lukas Mai nach einem Kopfballduell liegen, das Trikot halb zerrissen, das rechte Auge zugeschwollen.

Der mann mit dem turban war nach 38 minuten geschichte

Es begann als Standardroutine: Ecke links, Alexander Hack rückt vor den ersten Pfosten, Mai attackiert den zweiten. Beide springen, beide treffen den Ball – und sich. Die Kollision klingt wie ein geschlossener Handschuh auf nasser Haut. Hack taumelt mit einer Platzwunde am Haaransatz, Mai bleibt auf dem Rasen sitzen, das Blut tropft auf die weisse Streifenmusterung des Letzigrunds. Schiedsrichtorgehilfen eilen herbei, ein Turbanverband wird angelegt, das Publikum applaudiert zögerlich. Drei Minuten später geht Mai erneut zu Boden, diesmal ohne Fremdeinwirkung. Seine Pupillen sind aufgeblitzt, die Wunde durchsickert den Verband. Mattia Croci-Torti winkt sofort: Auswechslung. Die Zürcher Defensive verliert damit ihren Chef, der in dieser Saison 86 % der Luftduelle gewinnt – Statistik, die nun jemand anderem überlassen bleibt.

Die Szene überschattete selbst die Aufholjagd des FC Zürich, der durch ein spätes Mounir Chouiar-Tor mit 2:1 gewann und die Tabellenspitze fest im Blick behält. Doch die Frage, die nach dem Abpfiff durch die Mixed Zone geistert, lautet: Wie lange fällt Mai aus? Erste Gerüchte sprechen von fünf Tagen Pause, medizinische Tests am Montag entscheiden über einen möglichen Schleudertrauma-Verdacht.

In winterthur zählte nur der var – und der sah ein foul, das keiner sah

In winterthur zählte nur der var – und der sah ein foul, das keiner sah

Zwischenzeitlich war der FC Winterthur drauf und dran, das Kellerduell gegen die Grasshoppers zu drehen. Lukas Hunziker schob in der 32. Minute zum vermeintlichen 1:1 ein, nachdem Alessio Besio den Ball in den Lauf geschoben hatte. Der Schiri liess laufen, die Berner VAR-Zentrale griff später ein. Begründung: Nicolas Haas habe Renato Steffen im Vorfeld gelegt. Bilder zeigen jedoch, dass das taktische Foul bereits zehn Meter vor dem Pass erfolgte – eine Interpretationsfrage, die Winterthurs Präsident Claudio Hochstrasser nach dem Spiel als „gezielte Spielunterbrechung“ brandmarkte. Die Entscheidung kostete den Aufsteiger zwei Punkte, die zwischen Abstiegszone und Relegation schwer wiegen.

Die Grasshoppers profitierten, nutzten die Unruhe und trafen post VAR noch vor der Pause durch Dimitri Oberlin zur 2:0-Pausenführung. Letztlich gewannen die Zürcher 3:1 und verliessen die letzten Tabellenplätze erstmals seit Wochen wieder. Für Winterthur bedeutet das: Sechs Spiele ohne Sieg, 1,9 Gegentore im Schnitt – und ein Tor, das offiziell nie existierte.

Am Ende bleiben zwei Bilder: Mai, der mit verschwollenem Auge die Kabine betritt, ein weisses Tuch auf der Wunde. Und Hunziker, der mit erhobenem Arm dasteht, bis der VAR seine Freude zerreisst. Die Super League liefert Drama vor der Pause – und beweist einmal mehr, dass Schicksal und Technik manchmal schneller sind als der Ball selbst.