Blübaum schlägt nach 33 jahren das schach-tor nach oben auf
Endlich wieder ein deutscher Name im Kandidaten-Turnier. Matthias Blübaum sitzt seit dem Wochenende in Nikosia an Brett eins, spielt mit sieben Super-Größen um das Recht, den 19-jährigen Weltmeister Gukesh zu zwingen, ihm die Krone zu reichen. 33 Jahre nach Robert Hübner. Das ist keine Fußnote, das ist ein Knall.
Der weg nach usbekistan zahlte sich aus
Im September ratterte er in Samarkand durch 11 Runden Grand Swiss, schlug Najer und Vidit, blieb ungeschlagen. Zweiter Platz, Ticket gelöst. Die Partien dauerten nicht fünf Stunden, sie dauerten Tage in seinem Kopf. Blübaum sagt, er habe nur „irgendwie überlebt“ – typisch für einen Mann, der seine beste Form beschreibt, als wäre es ein Zufall.
Die Rechnung dahinter ist alles andere als zufällig. 86 000 Euro musste her, damit der 30-Jährige sich in Zypern auf Elo 2700-Niveau bewegen kann. Bundeskanzleramt, Deutscher Schachbund, drei Landesverbände und 1 842 Crowd-Unterstützer schossen ein. DSB-Sportdirektor Kevin Högy nennt die Summe eine „Materialschlacht außerhalb des Brettes“. Gemeint ist: Wer nicht zahlt, darf nicht mal auf die Tribüne der Weltspitze.

Vater karl-ernst wusste es vorher – fast
Als Jugendtrainer begleitete er den Sohn von der ersten Förderstufe bis zur U20-Europameisterschaft. „Wir haben immer gedacht, irgendwann kommt die Wand“, sagt er chess.com. Die Wand kam – aber Blübaum riss ein Loch hinein. Statt zu bremsen, jagt er jetzt 70 000 Siegprämie plus 5 000 Euro pro halbem Punkt. Der Gesamttopf: 700 000 Euro. Für deutsche Verhältnisse ein Vermögen, für den Weltelitenzirkel Eintrittspreis.
Die anderen sieben Kandidaten? Sie schlafen nicht. Caruana, Firouzja, Nakamura – keine Saugnapf-Partie, sondern ein Rasenmäher-Turnier. Blübaum muss als Werfer agieren, nicht als Widerstandskünstler. Vier Siege aus 14 Partien könnten reichen, das Match gegen Gukesh zu erzwingen. Dann würde er in einem 14-Partien-Kampf um den Weltmeistertitel spielen – ein Szenario, das es für Deutschland seit Hübners vergeblichem Anlauf 1991 nicht gab.
Die Uhr auf Zypern tickt bis 16. April. Blübaum hat zwei Wochen, um sein Schach-Leben zu verändern. Die 86 000 Euro sind auf dem Konto, der Druck sitzt im Nacken. Überleben wird nicht reichen. Nur Gewinnen zählt.
