Blessin glüht vor wut, st. pauli bleibt im sog des abstiegs
Der Millerntor war ein Kessel, doch statt Freiburg in die Pfanne zu hauen, schoss sich St. Pauli selbst ins eigene Bein. 1:2 (1:0) gegen die Europa-League-Helden, Platz 16, Relegation, Schock. Igor Matanovic, einst Kiez-Kicker, sorgte mit zwei Toren (65., 78.) dafür, dass der FC St. Pauli weiter durch die Unterzahl der Tabelle watet.
Trainer Alexander Blessin kochte. „Wir haben gegen zwölf Mann gespielt – und der Zwölfte war der Schiri“, donnerte er bei DAZN. Schiedsrichter Florian Badstübner hatte ihn wegen Meckerns verwarnt, dazu dieses Lächeln. Blessin fühlte sich verhöhnt, sprach von „Respektlosigkeit“. Drei Zweifelsentscheidungen vor dem 0:1 seien „katastrophal“ gewesen. Kurz danach, auf der Pressekonferenz, ruderte er zurück: „Nicht clever, aus der Emotion heraus.“ Doch die Wut war schon ins Stadiondach geschrieben.
Die zahl, die alles erklärt: 300
Vincenzo Grifo feierte sein 300. Bundesliga-Spiel. Der Italiener trieb den SC wie ein Uhrwerk, spielte jeden Ball kurz oder lang, als hätte er die Hamburg-Karte im Kopf. St. Pauli begann stark, Danel Sinani traf nach schönem Kombinationsgang (24.), doch Freiburg schaltelt nach der Pause einen Gang höher. Yuito Suzuki tanzte Joel Fujita aus, Matanovic drehte sich frei wie auf einer Drehbank – 1:1. Acht Minuten später der Knock-out: erneut Matanovic, erneut aus kurzer Distanz.
Die Kiez-Jungs warfen sich noch einmal vor, doch Noah Atubolu parierte gegen Svend Brodersen den letzten St. Pauli-Fäustchen. Die Glocken des Frühlingsdoms hallten danach wie Nachrufe über dem Heiligengeistfeld.

Endspiel schon am samstag
Bereits am kommenden Wochenende gastiert der FC St. Pauli in Augsburg. Drei Punkte sind Pflicht, sonst wird der Relegationsplatz zur Abstiegsfalle. Blessin muss nun zwei Dinge reparieren: die eigene Nervenkultur und die Lücke zwischen Anspruch und Abwehr. Matanovic zeigte, wie schnell sich ein Spiel dreht – und wie schnell sich eine Saison.
St. Pauli hat noch fünf Spiele, um die Katastrophe abzuwenden. Die Uhr tickt. Die Ränge werden wieder brennen, doch das reicht nicht. Ohne Punkte droht der Kiezclub das, wovor jedes Kind auf der Schanze graut: den Gang in Liga zwei. Die Saison ist nicht mehr retuschierbar.
