Blaswich pariert arsenal-torschüsse – droht trotzdem die bank?
Janis Blaswich war in der Emirates-Arena ein einsamer Rächer. Während Bayer Leverkusen über weite Strecken wie ein Kollektiv mit Katerlaune wirkte, stand der 34-Jährige zwischen den Pfosten und sagte Nein. Zehn Mal. Gegen Saka, gegen Trossard, gegen White. Erst Ezes Knaller und Rice' Satzschuss fanden eine Lücke. Die 0:2-Klatsche war besiegelt, Blaswich trotzdem der einzige Bayer mit Anspruch auf Heldenstatus.
Die frage nach dem tor
Kasper Hjulmand muss sich jetzt entscheiden: Behält er den Notnagel, oder kehrt Mark Flekken zurück? Der Niederländer ist seit Montag wieder voll belastbar, das Kreuzband hat geheilt. Die Leihgabe vom SC Freiburg war als Sommer-Upgrade für Lukas Hradecky gedacht, verlor aber schon früh den Faden – und das Spiel am Fuß. Blaswich, eigentlich nur eingeplant als geduldige Nummer zwei, nutzte die Lücke und wuchs über sich hinaus.
Im Londoner Kabinentrakt war die Stimmung trotz des Aus klare Kante. „Janis hat uns mit Reflexen von gestern im Spiel gehalten“, sagte ein Mitspieler. Die Statistik bestätigt: fünf hochkarätige Chancen verhindert, 1,17 erwartete Tore allein durch seine Paraden eingespart. Das ist Keeper-Ballerina auf Champions-League-Niveau.

Flekken wartet – und die wm rückt näher
Für Flekken geht es um mehr als nur Bundesliga-Einsatzzeit. Die WM in Nordamerika rückt näher, und Oranje-Coach Ronald Koeman kündigte an, nur Stammkräfte mitzunehmen. Bank statt Bühne wäre ein Debakel. Hjulmand wischt die Drohkulisse nicht weg: „Mark ist ein Top-Torwart, das haben wir investiert.“ Doch er lobt auch Blaswich in denselben Atemzügen: „Er gibt uns Stabilität, das ist ein Luxus.“
Die interne Lage ist klar: Wer gegen Heidenheim patzt, fliegt. Nicht wegen schlechter Laune, sondern weil Leverkusen bis zum Saisonende jede Point braucht, um die Champions-League-Ränge zu halten. Die Abwehr stand in London offen wie eine Scheunentor, die Mittelfeld-Pressing-Linie war ein Flickenteppich. Ein sicherer Rückhalt ist Pflicht.

Die stunde der wahrheit fällt aus
Blaswich selbst redet sich raus wie ein echter Profi. „Ich bin der falsche Ansprechpartner für Personalfragen. Ich halte den Ball, der Rest ist Trainer-Sache.“ Kein Pathos, keine Show. Nur die Tatsache, dass seine Handschuhe noch nach Schweiß riechen. Leverkusens Torwart-Trainer Uli Stein analysiert seit Tagen Mikro-Bewegungen, Sprungwinkel und Pass-Genauigkeit – und kommt zu keinem klaren Urteil.
Die Wahrheit ist: Beide Keeper haben Makel. Flekken ist der bessere Libero, aber er schenkt Gegnern zu viele Weihnachten. Blaswich ist die Katze zwischen den Pfosten, doch sein Spielaufbau erinnert manchmal an Roulette. Wer also bekommt das Trikot mit der Eins? Hjulmand will es „in den nächsten Tagen“ verkünden – eine Zeitbombe mit Countdown.
Am Samstag um 15.30 Uhr im Voith-Arena wird die Entscheidung sichtbar. Die Fans diskutieren bereits, ob eine Torwart-Rotation Sinn macht. Die Wettanbieter favorisieren Flekken, die Stimmen aus der Kabine schwanken. Fakt ist: Wer auch immer hinter der Abwehrkette steht, muss die nächste Parade schon gegen den ersten Heidenheimer Schuss zeigen. Denn in der Bundesliga gibt es keine Ausreden – nur Ergebnisse.
