Bilyk rüttelt thw-kader wach: champions-league-traum kollidiert mit realität
29:30 in Melsungen, und die Meisteruhr schlägt zwölf. Mykola Bilyk stand mit gesenktem Blick am DYN-Mikrofon, die Stimme rauer als der Harz an seinen Schuhen: „Wir haben es uns selbst aus der Hand genommen.“ Mit diesem Satz spiegelte der österreichische Rückraumshooter die ganze Saison der Kieler – hoch, runter, irgendwie nie konstant.
Die fehler-kaskade, die den rekordmeister kostet
Die Statistik liest sich wie ein Horror-Protokoll: 14 technische Fehler, 8 verschossene Großchancen, 3 Siebenmeter daneben. Jede dieser Zahlen nagt an der Auswärtsniederlage, die den THW auf Rang vier abrutschen lässt. Gummersbach lauert nur einen Punkt dahinter, Lemgo zwei Punkte weniger bei einem Spiel weniger. Die Champions-League-Ränge? „Momentan ein frommer Wunsch“, sagt Bilyk und schüttelt den Kopf.
Was die Kabine wütend macht: Die Wende war greifbar. Vier Minuten vor Ende stand es 29:29, THW-Ball. Dann der Stürmerfoul, dann der Ballverlust, dann der Gegenstoß. „Wir haben alles reingehauen, aber in den entscheidenden Sekunden gefehlt“, so Bilyk. „Melsungen war eiskalt, wir nicht – Punkt.“

Die große unbekannte heißt konstanz
Warum eine Mannschaft mit sieben Nationalspielern plötzlich wie ein Regionalteam wirkt, kann auch der 29-Jährige nicht erklären. „Das fragen wir uns alle. Mal ziehen wir 5:0 davon, mal hängen wir fünf Tore hintenher. Keiner weiß, welches Gesicht uns morgen begegnet.“ Trainer Filip Jicha sprach nach dem Spiel von „Handball der 80er-Jahre“, womit er die unrühmliche Schiri-Phase meinte – doch intern wissen die Verantwortlichen: Das Problem sitzt tiefer als ein fragwürdiger Freistoß.
Die Saison-Endphase wird zur Geduldsprobe. Noch vier Spiele, darunter das Top-Duell gegen die Füchse Berlin. Gewinnt der THW alle Partien, reicht vielleicht Rang drei. Verliert er auch nur einmal, droht der Gang in die EHF-Cup-Hölle. Bilyk: „Wir müssen uns jeden Tag neu erfinden, sonst erfindet die Liga uns um.“
Die Kieler Fans haben die Rechnung ohne die eigene Nervosität gemacht. 3.400 Anhänger reisten trotz Dienstag-Abend nach Hessen, sangen 60 Minuten lang, verstummten erst nach dem Schlusspfiff. Ihre Botschaft: Wir sind dabei, egal ob Champions League oder nicht. Bilyk nahm das Mikro, bedankte sich, schwor Besserung. Ob es reicht? Die Antwort fällt in den nächsten 21 Tagen – und wird über Zukunft und Finanzplan des Rekordmeisters entscheiden.
