Bilbao zittert: uriarte wirft sich ins rennen und muss valverde beerben
San Mamés bebt. 24 Stunden nach Valverdes Rücktrittserklärung schaltet Jon Uriarte den Wahlkampfmodus ein – und liefert sich ein Balanceakt zwischen Dankesrede und Machtanspruch.
Der präsident im zwielicht
Uriarte spricht leise, fast flüsternd, doch jede Silbe wirkt wie ein Hammer. „Vier Jahre im Amt sind kein Kavaliersdelikt“, sagt er, ohne den Namen seines möglichen Nachfolgers zu nennen. Stattdessen betont er: „Wer von außen kommt, bringt frisches Blut.“ Ein Satz, der die alte Garde im Consejo aufhorchen lässt. Denn bis zum 29. März verwandelt sich der Vorstand in eine Kommissarische Geschäftsführung – und Uriarte wird zum einfachen Kandidaten.
Valverde? „Wir haben den Himmel berührt“, schwärmt er. Die Kapitänsbinde des Erfolgs trägt nun ein Abschiedsmotiv. Der Trainer habe stets „den Klub über sich“ gestellt. Netter Nebeneffekt: Uriarte kann sich aus der Verantwortung für die sportliche Zukunft stehlen. Denn wer Ernesto Valverde ersetzen soll, bleibt sein Geheimnis.

Die london-lektion
Uriarte erzählt von seiner Zeit in der City. Dort habe ein Chef gesagt: „Friedhöfe sind voller unersetzlicher Leute.“ Er lacht kurz, bevor er den Satz umkehrt: „Das gilt auch für Trainerlegenden.“ Die Botschaft: Niemand ist sicher, niemand ist ewig. Selbst nicht der Mann, der Athletic dreimal in die Champions League führte.
Die Suche nach dem neuen Coach läuft längst. Intern nennen sie das Projekt „Post-Txingurri“. Kriterien: spanisch sprechend, Profil aus der Primera oder der Bundesliga, bereit, sich in ein System einzufügen, das Lezama und zurückhaltende Millionen heißt. Klarnamen? Fehlanzeige. Uriarte: „Wer jetzt Namen nennt, liefert Munition an die Gegner.“

Die uhr tickt
Am 29. März läuft seine Amtsuhr ab. Dann zählen nur noch Stimmen. Uriarte wirbt weiter in Townhall-Meetings und WhatsApp-Gruppen der Peñas. Dabei spielt ihm Valverdes Popularität in die Karten – und genau diese Erfolgsstory könnte seine größte Falle sein. Denn wer den Mythos beerben muss, darf keinen Millimeter Fehler erlauben.
Die Wahl ist offen. Die Kandidatenliste wächst. Und Uriarte? Er schweigt sich über Details aus. Aber seine Augen verraten ihn: Er hat bereits einen Plan. Ob der reicht, um im Stadion mit der Kathedrale weiter an der Macht zu bleiben, entscheidet sich im Frühsommer. Die Fans warten. Valverde auch. Und die Friedhöfe? Die bleiben voll – mit oder ohne ihn.
