Bezzecchi: glück und talent auf dem weg zum motogp-titel?
Marco Bezzecchi scheint im Moment alles zu haben, was man braucht, um in der MotoGP-Weltmeisterschaft die Krone zu ergreifen. Eine konkurrenzfähige Maschine, ein starkes Team und eine beeindruckende Formkurve – und dann noch dieser entscheidende Faktor, der oft über Sieg und Niederlage entscheidet: das Quäntchen Glück. Der Italiener führt die Meisterschaft seit seinem Triumph in Brasilien an und demonstriert eine beeindruckende Konstanz.
Barcelona: ein wochenende voller pannen und glücksgriffe
Der Grand Prix von Catalunya offenbarte jedoch eine andere Seite des jungen Italieners. Bezzecchi fand in Barcelona schlichtweg nicht die optimale Abstimmung für seine Aprilia, die in Frankreich zuvor ein starkes Triple vollendet hatte. Das Qualifying verlief enttäuschend, er sicherte sich lediglich den 12. Startplatz. Im Sprintrennen konnte er lediglich einen Punkt auf dem neunten Platz erzielen – ein Ergebnis, das er dem Fehler von Bastianini verdankte, wie er selbst zugab.
Das Rennen am Sonntag gestaltete sich für 'Bez' als eine Abfolge von Missgeschicken. Nach einem soliden Start auf den achten Platz verbesserte er sich, committierte dann aber einen Fehler in Kurve 10, verlor Positionen und fand sich auf dem elften Rang wieder. Der Sturz von Álex Márquez wurde dann zu einem überraschenden Wendepunkt.
Ein Geschenk des Schicksals
Die Ereignisse nach dem Neustart des Rennens waren für Bezzecchi von Vorteil. Durch die Berührung von Raúl Fernández mit Jorge Martín profitierte er und eroberte den achten Platz. Einzig sein Überholmanöver an Quartararo in der siebten Runde war das Ergebnis eigener Leistung – Fabio Quartararo schien an diesem Tag nicht in Form zu sein. Nach dem Sturz von Ogura, der Acosta aus dem Rennen warf, katapultierte sich Bezzecchi auf den fünften Platz. Zuvor wurde Mir, der Führende, wegen Reifenverschleiß mit 16 Sekunden bestraft, was Bezzecchi auf den vierten Rang brachte. Bagnaia wurde ebenfalls untersucht, entging aber einer Strafe, sodass Bezzecchi theoretisch sogar auf das Podium hätte fahren können.
Bezzecchi sammelte in Barcelona wertvolle 13 Punkte, während Martin und Acosta leer ausgingen. Der Ausfall von Álex Márquez, der als ernsthafter Titelkandidat galt, ist für Bezzecchi ein weiterer Vorteil. Der Rückstand auf Márquez beträgt nun erheblich mehr als 40 Punkte. Auch Marc Márquez, der ebenfalls noch in der Meisterschaft eine Rolle spielen könnte, kämpft weiterhin mit Problemen.

Bescheiden trotz glück
Bezzecchi zeigte sich nach dem Rennen bescheiden und räumte ein, dass ihm einiges an Glück widerfahren sei. „In all diesen Situationen hatte ich Glück, weil alle anderen vor mir Fehler gemacht haben. Das ist nicht etwas, was mich glücklich macht. Ich war wie im Sprint. Am Freitag hatte ich einen soliden Tag. und dann blieb es dabei. Es fiel mir schwer, mich zu verbessern, und mein Rhythmus war eben dieser. Ich habe das Rennen unter Qual und Leidenschaft bestritten. Es war ein Wochenende voller Probleme. Ich habe wenig Fehler gemacht; vielleicht ist das das Positive, obwohl es wenig Positives gab“, so der Pilot der Valentino Rossi Academy.
Mit gesundem Abstand zu seinen wichtigsten Rivalen und dem Wissen um deren angeschlagene Form reist Bezzecchi nun als Tabellenführer zu seinem Heimrennen. Die MotoGP-Welt wird gespannt sein, ob er seine Führung ausbauen kann – und ob sein Glück ihn weiterhin begleitet.
