Bencic und cobolli jagen in indian wells die doppelspezialisten und klauen den titel

Belinda Bencic trat am Freitagabend in Indian Wells als reine Gastgeberin an – und ging als Mixed-Queen vom Platz. Die 27-jährige Schweizerin und ihr italienischer Alltagspartner Flavio Cobolli schlugen die Favoriten Gabriela Dabrowski und Lloyd Glasspool mit 6:3, 2:6, 10:7, bevor die Trophäe in Miniaturformat fast verschluckt wurde.

Die taktik: bencic attackiert, cobolli blockt

Im ersten Satz spielte Bencic wie entfesselt. Sie nahm Dabrowski den Aufschlag zweimal ab, schmetterte Returnwinner ins Eck und ließ dem Kanadierin keine Zeit, ihre berüchtigten Netz-Interceptions auszuspielen. Cobolli wiederum verwandelte sich zum flexiblen Schiri: er schirmte Glasspool’s Linkshänder-Kicks ab, schob taktische Lobbälle und störte das Rhythmusgefühl der Doppel-Spezialisten. 34 Minuten später lag der Satz bereits sicher in der Tasche.

Doch Doppelfinalisten vergessen nie, wie man zurückschlägt. Dabrowski schraubte ihre Position am Netz höher, Glasspool schickte knallharte 210-km/h-Aufschläge ins Feld und erzwang Breakbälle wie auf Bestellung. Zweimal musste Bencic mit knurrendem Gesicht den Ball aus dem Netz ziehen – Satzausgleich, 6:2. Plötzlich roch es nach Vorentscheidung für die Routiniers.

Match-tiebreak: nerven aus stahl und ein slice, der alles entschied

Match-tiebreak: nerven aus stahl und ein slice, der alles entschied

Beim Super-Tiebreak bis 10 zog sich die Partei in die Seelen der 16.000 Zuschauer im Stadion 2. Zweimal glichen die Schweizerin und der Italiener einen Rückstand aus, bei 6:7 schlug Cobolli eine Passage-Return-Longline, die Glasspool nur noch mit den Augen verfolgte. Der 9:7-Führung folgte ein kühler Volley-Stopp Bencics an der T-Linie – Matchball. Ein letzter verzweifelter Lob Dabrowskis landete auf der Linie, aber Bencic hob den Slice-Ball quer über das Netz. 10:7. Jubel, Tränen, Glück.

Die Mini-Trophäe, nicht größer als ein Schokoladenbar, wurde sofort zum Social-Media-Star. „Wie süss sind diese kleinen Trophäen denn bitte?“, postete Bencic und deutete damit an, dass in Indian Wells selbst der zweite Platz im Einzel einen Pokal in XXL bekommt – das Mixed-Pendant dagegen wirkt wie ein Schlüsselanhänger. Spaß hatte sie trotzdem: „Wer hätte es gedacht, wir sind Mixed-Doppel-Champions.“

Warum der sieg mehr ist als ein nettes accessoire

Warum der sieg mehr ist als ein nettes accessoire

Für Bencic war es der erste Titel überhaupt seit der Babypause 2022. Die Weltranglisten-12. bewies, dass ihre Schlagkraft auf Hartplatz noch immer Top-Ten-Niveau erreicht – ein Warnsignal für die Konkurrenz vor Miami. Cobolli profitierte doppelt: Er klettert im Race to Turin auf Rang 11 und sammelt Selbstvertrauen für den Saisonstart auf Sand. Und für die Zuschauer? Die sahen, dass Mixed-Doppel kein Show-Act ist, sondern die schnellste Disziplin mit der höchsten Fehlerquote – und mit dem größten Spaßfaktor im gesamten Kalender.

Die nächste Woche fliegt das Duo getrennt weiter, Bencic nach Miami, Cobolli zu den Challenger-Turnieren in Barletta. Aber die winzige Trophäe bleibt. Und sie erinnert daran, dass in Indian Wells nicht die großen Namen gewinnen, sondern die, die bereit sind, sich gegenseitig in die Nesseln zu rennen. 34 Minuten Angriff, 34 Minuten Gegenwehr, zehn Punkte Glück – fertig ist das Märchen.