Benatia: marseille spaltet sich – polizei, angst, mccoup

Medhi Benatia spielt nicht mehr nur mit dem Ball, sondern mit dem Schicksal von Olympique Marseille. Wer im Trainingszentrum La Commanderie arbeitet, berichtet von einem Klima, das nichts mit Fußball, aber viel mit Angst zu tun hat. „Wenn er dich für schlecht hält, setzt er dich vor die Tür“, zitiert La Provence einen anonymen Mitarbeiter. Die Rede ist nicht von einem Ultrà, sondern vom Sportdirektor des Klubs.

Die Polizei ist bereits involviert.

Der vorwurf: angst statt teamgeist

Die Zeitung liefert ein Protokoll aus dem Inneren des Klubs. Demnach kontrolliert Benatia „alles auf die Sekunde genau“. Spieler, Trainer, Co-Trainer – niemand traute sich noch, eigene Meinungen zu äußern. Die Quelle spricht von „Klima der Angst“. OM dementiert sofort, nennt den Bericht „voreingenommen“ und „auf dubiosen Quellen basierend“. Doch die Zahlen sprechen eine andere Sprache: Drei Trainerwechsel in 18 Monaten, zwei Geschäftsführerinnen weg, ein Ermittlungsverfahren.

Die Eskalation erreichte im Sommer 2024 einen neuen Höhepunkt. Co-Geschäftsführerin Cécilia Barontini erstattete Anzeige nach einem handfesten Streit – Thema: der geplante Transfer von Mason Greenwood. Barontini lehnte den Deal ab, weil gegen den Engländer Vorwürfe häuslicher Gewalt vorliegen. Wenig später war sie weg. Greenwood blieb, doch auch er soll inzwischen Konflikt mit Benatia haben. La Provence berichtet, der Stürmer meide den Sportdirektor auf dem Gelände.

De zerbi, das machtvakuum und der rücktritt, keiner wurde wirksam

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Trainer Roberto De Zerbi verließ den Klub im Februar – offiziell „auf eigenen Wunsch“. Hinter den Kulissen heißt es, der Italiener habe die „Mikromanagement-Falle“ nicht mehr ausgehalten. Kurz darauf kündigte Benatia seinen Rücktritt an. Dann kam Frank McCourt ins Spiel. Der Clubbesitzer bat den Marokkaner zurück, statt ihn ziehen zu lassen. Seitdem hat Benatia offenbar noch mehr Einfluss, nicht weniger.

Die Frage ist nicht, ob Benatia komplett unschuldig ist – das weiß nur, wer in den Fluren von La Commanderie steht. Die Frage ist, warum McCourt einen Mann, der offenbar die Hälfte des Klubs gegen sich aufbringt, mit noch mehr Macht belohnt. Die Antwort liegt vielleicht in Zahlen: Transferüberschuss von 60 Millionen Euro in zwei Jahren, trotz sportlicher Mittelmäßigkeit. Ein Geschäftsmodell, das funktioniert – solange die Angst größer ist als der Protest.

Marseille spielt am Sonntag gegen Lyon. Die Fans werden wieder skandieren. Aber wissen sie, wem sie da eigentlich applaudieren? Die Liga schaut weg, die Eigentümer schauen aufs Konto, und die Spieler schauen auf die Uhr – bis zur nächsten Tür, die zuklappt.