Bellingham auf der bank: war das ein fehler?
Madrid bangte. Nach dem blamablen 0:2 im Hinspiel gegen Bayern München wirkte der Plan von Trainer Ancelotti gestern Abend im Bernabéu angespannt und uninspiriert. Ein zentraler Grund dafür: Jude Bellingham blieb auf der bank – eine Entscheidung, die viele Fans und Experten gleichermaßen überraschte und infrage stellt.

Arbeloas versprechen und die realität
Die Vorgabe von Co-Trainer Davide Arbeloa vor dem Spiel war eindeutig gewesen: „Madrid ist mit Bellingham besser, er wird Einsatzzeit bekommen.“ Doch der Engländer blieb vorerst ein Zuschauer. Ein bitteres Dilemma, denn während Thiago Alcántara und Valverde versuchten, die Fäden im Mittelfeld zu ziehen, wirkten sie blass. Alcántara fand selten seine gewohnte Präzision, Valverde hingegen fehlte die nötige Durchschlagskraft in entscheidenden Momenten.
Güler, der als Alternative begann, zeigte zwar Akrobatik, verlor aber letztlich die Energie im unerbittlichen Kampf gegen die Münchner Abwehr. Die Frage, die sich nun stellt: War es ein taktischer Fehler, Bellingham von Beginn an außen vor zu lassen? A-priori erscheint es fraglich, da der junge Engländer im bisherigen Saisonverlauf stets eine Schlüsselrolle in Madrids Erfolgsspiel spielte. Seine Dynamik, sein Torinstinkt und seine Spielintelligenz sind unbestritten von hohem Wert.
Die Tatsache, dass Bellingham erst spät eingewechselt wurde und dann doch das Spiel belebte, spricht Bände. Ein schöner Steilpass auf Mbappé in einer Konterchance verdeutlichte sein Potenzial. Er brach Linien, fand seine Mitspieler und brachte frischen Wind ins Spiel. Ein klarer Beweis dafür, dass er nicht nur für die Rückspiel-Aufgabe bereit ist.
Tchouaméni steht vor einer Zittersaison: Während Bellingham auf der bank schmoren durfte, machte Aurélien Tchouaméni mit seiner gelben Karte im Hinspiel viel Schlagzeilen. Er wird im Rückspiel in München gesperrt sein und äußerte sich bereits unzufrieden mit der Entscheidung. „Es war keine faire Entscheidung“, klagte der Franzose.
Auch die Leistung von Éder Militão, der ebenfalls nur auf der bank Platz nehmen durfte, wirft Fragen auf. Sein Stellvertreter Huijsen hatte einen schweren Abend und schien mit der Aufgabe überfordert. Für das Rückspiel könnte Militão jedoch eine wichtige Rolle spielen, um die erwartete Angriffswelle des FC Bayern abzufangen.
Ein Hoffnungsschimmer für die Madrilenen ist die Form von Vinícius Júnior, der im Hinspiel eine Großchance ausließ. Ein weiterer Lichtblick: Mendy, der sich im Training wieder positiv entwickelte und für das Rückspiel in München in Frage kommt.
Die Aufgabe in München wird schwierig, doch mit Bellingham in der Startelf, könnte das Momentum kippen. Arbeloa hat Bellingham als lebenswichtig eingestuft, nun muss Ancelotti handeln und ihm die Chance geben, das Ruder für Real Madrid herumzureißen. Ob es für ein Wunder reicht, wird sich zeigen. Aber eines ist klar: Ohne Bellingham wird es für Madrid gegen den FC Bayern extrem schwer.
