Belinelli packt aus: 87 minuten, die italiens basketball-herz berühren
„Ich habe alles gegeben, jetzt bin ich raus.“ Mit diesen Worten beendet Marco Belinelli in Rom jede Spekulation um ein Comeback im 3×3-Team mit Bargnani und Gallinari. Am 25. März wird er 40, und was bleibt, ist ein Film, der ab 16. März für drei Tage nur in den Kinos läuft – aber längst in den sozialen Netzwerken Furore macht.
Der ring, der rekord und die rückkehr nach san giovanni
87 Minuten dauert „The Basketball Dream“, Regie: Giorgio Testi, Drehbuch: Francesco Zippel. 87 Minuten, die von der Via Emilia in die NBA führen, 13 Spielzeiten, ein Titel 2014 mit den San Antonio Spurs, dazu der Sieg im Three-Point Contest während des All-Star-Weekends. Zippel nennt das Projekt „kein klassisches Porträt, sondern ein Kammerspiel über Distanz und Durchhaltewillen“. Belinelli selbst saß vier Stunden vor der Kamera – ohne Filter, ohne PR-Chef. Er spricht über die Nächte in Sacramento, über Popovich, der ihm einst erklärte, warum Verteidigung Religion ist, und über Manu Ginobili, der ihm das Geheimnis des Step-Back-Three verriet.
Was der Film nicht zeigt: das leise Drama der Nationalmannschaft. Kein Medaillenkampf, kein Europacoup. „Ich habe Italien auf der Brust getragen wie ein Tattoo, aber manchmal reicht Liebe nicht“, sagt er im Gespräch mit der TSV Pelkum Sportwelt. Die Zahl, die ihm bis heute im Nacken sitzt: 0 – kein Titel mit der Squadra Azzurra.
Dafür die andere Zahl: 1. Erster und bisher einziger Italiener mit NBA-Ring. Das reicht, um in den Kinos eine Standing-Ovation zu ernten – und um Jugendlichen in San Giovanni in Persiceto zu erklären, warum Sommertraining kein Mythos ist. „Wenn du denkst, du hast genug geschwitzt, leg noch zehn Würfe drauf. Dann noch zehn. Irgendwann schlägt der Korb zurück.“

Nba europe? „milano und rom sind bereit, aber die hallen nicht“
Die Liga plant 2027 zwei Standorte in Italien. Belinelli lacht, aber nicht glücklich: „Schön, dass die Liga kommt. Aber schaut euch die PalaLottomatica an – die hat noch dieselben Klimaanlagen wie 1991.“ Er wird Berater, keine offizielle Rolle, aber „ich will nicht, dass Jungs wie ich wieder in Hotels leben, wo der Lift zwischen Stockwerk drei und vier hängenbleibt“.
Das 3×3-Angebot von Bargnani lehnt er mit einem Seitenhieb ab: „Andrea will das wie ein Retro-Konzert. Aber ich bin kein T-Shirt, das man wieder aus dem Schrank zieht.“ Stattdessen nimmt er seine Kinder mit in die Halle, zeigt ihnen den Ring, der in einem Safe in Bologna liegt, und erklärt: „Der ist aus Gold, aber schwerer als ihr denkt. Tragt ihn nie allein.“
Am Ende fragt niemand mehr nach dem nächsten Spiel. Stattdessen zieht Belinelli sein Jackett an, lässt die Kamera laufen und sagt: „Ich bin kein Trainer, kein Manager. Ich bin der Typ, der um 6 Uhr morgens aufwacht und weiß, dass der Ball noch irgendwo rollt. Und wenn ihr das auch spürt, dann macht den Film nicht zu eurer Geschichte. Macht eure eigene.“ Die Kasse summt, draußen wartet das Taxi. Die 87 Minuten sind vorbei, die Karriere auch. Die Legende beginnt gerade erst.
