Bayern-feuerwerk in paris: eberl schlägt defensiv-debatte in die tonne
Paris hat soeben das wildeste Champions-League-Feuerwerk der letzten Jahre gesehen – und die erste Reaktion lautet: Gebt uns mehr davon! Fünf Gegentore? Egal, wenn man vier schießt und die Serie lebt. Max Eberl trat nach dem 4:5 vor die Mikros, und was er sagte, war kein Plädoyer für ein bisschen mehr Deckung, sondern ein Rundumschlag gegen die Angst.
Warum eberl die stürmer anmachte und nicht die abwehr
Statt die Viererkette zu zerlegen, schickte der Sportvorstand die Offensive aufs Feld der Kritik. „Die vielen, vielen, vielen Chancen müssen wir sauberer zum Abschluss bringen“, donnerte er in die Mixed Zone. Übersetzt: Wir wären mit 7:5 weiter, wenn Musiala und Kane ihre Hochkaräter genutzt hätten. Eine Ansage, die in München Geschichte schreibt – dort wurde nach hohen Niederlagen sonst immer der Abwehrcoach gefeilt.
Clarence Seedorf und Wayne Rooney mischen sich ein, warnen vor dem „Todeskandidaten“ Offensivfußball. Doch hinter den Kulissen des Rekordmeisters zieht Vincent Kompany unbeirrt seinen Zigarrenstrang weiter. Der Belgier kennt das Geschäft: Bei Burnley schickte er seine Elf mit demselben Männer-pressing-Prinzip in die Premier-League-Abstiegszone – und wurde trotzdem als „philosoph“ gefeiert. Jetzt hat er Thomas Müller & Co. auf Sturm getrimmt, weil er weiß: Nur wer trifft, kann auch verlieren und trotzdem jubeln.

Die stimme aus dem podcast, die niemand hören will
Sport1-Chefreporter Stefan Kumberger lachte im „Die Bayern-Woche“-Podcast, aber sein Lachen klang wie ein Warnschuss: „Die Offensive wird sich irgendwann fragen: ‚Freunde, vier Tore in Paris – was wollt ihr noch?‘“ Die Antwort lautet: drei Tore mehr, um das Halbfinale zu erreichen. Denn das 4:5 ist ein Ergebnis, das so nicht stehen bleiben darf. Die Münchner brauchen im Rückspiel mindestens zwei Treffer, ohne zu kassieren. Oder sie blasend einfach weiter zum Marsch, egal wie viel Paris hinten einschiebt.
Jan-Christian Dreesen hatte nach der 0:1-Pleite in Aston Villa noch gemurmelt, Kompany bereite ihm „heute ausnahmsweise Kummer“. Seit Dienstagabend ist klar: Der CEO wird wieder lernen müssen, dass Kummer Teil des Geschäftsplans ist. Denn wer mit dem FC Bayern in der Champions League mit offener Visier kämpft, spielt nicht für ein 0:0 – er spielt für ein 6:5. Und wenn es schiefgeht, bleibt wenigstens das Gefühl, dass Fußball so funktioniert, wie ihn Kinder auf dem Bolzplatz erfinden: Erstmal schießen, dann zählen.
Am Mittwoch gibt es die Revanche im Münchner Aquarium. Kompany kündigte an, es könne „noch verrückter“ werden. Die Wette lautet: Er behält recht. Denn wer nach fünf Gegentoren nicht umschaltet, der schaltet erst, wenn der Pokar in der Hand ist – oder wenn nichts mehr zu retten ist.
