Bayern-fans in madrid verprügelt: dreesen spricht von „gezielter eskalation“
Schreie, Blut, Schlagstöcke. Was sich nach Krawall auf dem Oktoberfest anhört, war Dienstagabend vor dem Estadio Santiago Bernabéu. Bayern-Anhänger, die friedlich auf den Einlass warteten, wurden von spanischen Einsatzkräften aus der Menge gezogen, niedergedrückt, teils verletzt. Der Vorstand reagiert mit seltener Schärfe.
Die bilder, die den verein wütend machen
Die spanische Sportsendung „El Desmarque“ filmte, wie behelmte Beamte ohne erkennbaren Anlass griffbereit die Absperrung entlangliefen, einzelne Fans herausrissen und mit Schlagstöcken nachsetzten. Ein Mann am Kopf blutend, daneben eine Frau, die vor Angst zusammenbrach. Kein Wurf, keine Pyro, keine Parole – nichts, was die Gewalt hätte rechtfertigen können. Jan-Christian Dreesen spricht schon beim Anblick der ersten Videos von „völlig überzogenen Übergriffen“. Die Wortwahl ist bewusst diplomatisch, die Stimme zittert vor Wut.
Der Vorstandschef hat das Gefühl, diesen Film schon gesehen zu haben. November, Paris: 2.700 Bayern-Fans werden an einer Autobahnraststätte zusammengepfercht, ohne Toiletten, ohne Essen, nur um danach von der französischen Polizei in kleine Gruppen zerfasert zum Stadion zu marschieren. Der Klub erstattete Anzeige – bis heute liegt keine Antwort vor. Madrid wirft nun Öl ins Feuer.

Die stimmung kippt, der dfb schweigt
Intern geht man beim FC Bayern mittlerweile von einem Muster aus: Je höher das Risiko, je prominenter die Reisegruppe, desto schneller schalten europäische Sicherheitsbehörden auf Angriff. Die Fanbeauftragten sprechen von „gezielter Einschüchterung“, um die Auswärtsfahrt unattraktiv zu machen. Die Zahlen geben ihnen recht: Seit der Saison 2019/20 sank die Zahl der Auswärtsfahrer im Champions-League-Achtelfinale um 28 Prozent – nicht nur wegen Ticketschlangen und Preisen, sondern weil viele das Risiko scheuen, mit blutender Lippe wieder nach Hause zu fliegen.
Der Deutsche Fußball-Bund reagiert auffällig leise. Man nehme „die Sorgen der Vereine ernst“, heißt es auf Anfrage, konkrete Schritte lägen aber beim Außenministerium. Das wiederum verweist auf die UEFA, die UEFA auf die nationalen Verbände. Ein Ping-Pong, der die Fans im Regen stehen lässt.

Was jetzt droht – und was bayern plant
Der Klub prüft erneut rechtliche Schritte, will die Aufnahmen sichten, Zeugenaussagen sammeln und ein Zivilverfahren gegen die Policía Municipal Madrid einleiten. Gleichzeitig arbeitet die Sicherheitsabteilung an einem Notfallplan: künftig sollen eigene Ordner mitreisen, deutsche Polizeibeamte in Zivil, die als Verbindungsbeamte fungieren. Ein Pilotprojekt, das schon beim Halbfinale – sofern der Deckel draufbleibt – starten könnte.
Doch das ist Pflaster auf offener Wunde. Solange europäische Behörden Fremde als potenzielle Randalierer behandeln, solange keine unabhängige Stelle Einsätze überprüft, bleibt das Stadionerlebnis ein Schlag ins Gesicht. Für 2.800 Bayern-Fans war Madrids Nacht zu einem Erlebnis, das sie so schnell nicht vergessen werden – unabhängig vom 2:1 auf dem Platz.
Die Bilanz des Abends: drei Punkte, zwei Tore, eine Platzwunde. Und ein Verein, der langsam aber sicher die Geduld verliert.
