Bayern-fans in madrid niedergeknüppelt: dreesen spricht von „kriegsstimmung“ am bernabéu

Scheinwerfer noch hell, der 2:1-Sieg in der Tasche – da lief Rot-Weiß auf den Rängen. Doch die Farben gehörten nicht Real Madrid, sondern spanischen Bereitschaftspolizisten. Auf Videoaufnahmen ist zu sehen, wie sie friedliche Bayern-Anhänger hinter Absperrgittern aus der Masse ziehen, mit Schlagstöcken auf sie eindreschen, einen Mann blutend am Boden liegen lassen. Kein Provokation, kein Widerstand – nur Schreie und Knüppelhiese.

„Völlig überzogene übergriffe“ – dreesen fordert konsequenzen

Jan-Christian Dreesen schaut sich die Clips auf dem Mannschaftsbus an, dann schickt er den Satz durchs Stadion, der spätestens morgen alle Schlagzeilen beherrschen wird: „Diese Bilder erinnern an Kriegsstimmung, nicht an Fußball.“ Der Vorstandschef spricht von „völlig überzogenen Übergriffen“, von einer Eskalation, die inzwischen „beim Auswärtsbesuch in Europa zur traurigen Routine“ werde. Schon beim November-Spiel in Paris hatte der Klub juristische Schritte gegen die Präfektur eingeleitet – nun droht erneut Klage an.

Die spanische Polizei schweigt bislang zu den Vorfällen am Gate 14. Auf den Videos ist kein Pyro, keine fliegenden Flaschen, nur bunte Schals und Gesänge. Trotzdem rückten Reiterstaffeln an, Bereitschaftseinheiten mit gezogenen Schlagstöcken. Ein 42-jähriger Münchner erzählt im Magenta-Sport-Interview, wie er neben seinem 14-jährigen Sohn stand, als eine Kette von Robocops losrannte: „Plötzlich ging alles ganz schnell. Mein Junge wurde weggestoßen, ich hab nur noch geschrien: ‚Das ist mein Kind!‘“

Bayern reicht material bei uefa und deutscher botschaft ein

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Kurz nach Mitternacht lagerten die ersten Zeugenaussagen in der Cloud der Rechtsabteilung. Video-Nachbearbeitung, Zeiterfassung, Tonspur-Audits – alles wird gesichert. „Wir lassen das nicht auf sich beruhen“, sagt Dreesen und kündigt an, das Material an die UEFA, die deutsche Botschaft in Madrid sowie an Amnesty International weiterzureichen. Die Botschaft teilte auf Nachfrage mit, man „nehme die Vorwürfe sehr ernst“ und stehe „im engen Austausch mit den zuständigen Behörden“.

Der Fall wirft ein Schlaglicht auf ein strukturelles Problem: Immer wieder berichten deutsche Fan-Projekte von willkürlichen Polizeieinsätzen in Spanien und Frankreich. Die Zahlen des Fan-Reports 2023 sind eindeutig: 67 Prozent der befragten Auswärtsfans gaben an, mindestens einmal „unverhältnismäßig“ behandelt worden zu sein. Die UEFA reagiert bislang mit Warmmietverträgen für mehr Sicherheitskräfte – doch genau diese Kräfte stehen nun erneut in der Kritik.

Der sportliche Erfolg bleibt trotzdem auf der Strecke. Ja, Kane und Musiala lieferten eine Gala ab. Doch wer nach dem Abpfiff die Pressekonferenz verfolgte, merkte: Der Drops ist gelutscht, der Saft raus. Trainer Tuchel sprach nur drei Minuten über Taktik, dann wechselte er zu den Fan-Vorwürfen: „Wenn unsere Anhänger blutend ins Stadion kommen, ist jede Taktik Nebensache.“

Die Bayern reisen mit einem 2:1-Sieg und einem blutenden Ausrufezeichen zurück nach München. Das Rückspiel steigt am nächsten Mittwoch – doch längst geht es nicht mehr nur um das Halbfinale. Es geht darum, ob Europas Polizeibehörden den Begriff „Sicherheit“ neu definieren müssen. Und darum, ob ein Fußballklub mit juristischem Gegenpressing etwas bewegen kann. Die nächste Stufe: Dienstag ist eine einstweilige Verfügung beim Madrider Verwaltungsgericht eingereicht. Die Richter werden entscheiden, ob die Einsätze vor dem Bernabéu überprüft werden müssen. Sollten sie dem Antrag stattgeben, wäre das ein Präzedenzfall – und eine Ohrfeige für jene Kräfte, die Gewalt offenbar zum Standard-Einsatzrepertoire zählen.

Fazit: Wer denkt, nach Paris hätten europäische Sicherheitsbehörden gelernt, sieht sich getäuscht. Die nächste Stadt, die näste Prügelorgie. Der FC Bayern gewinnt in Madrid – und verliert gleichzeitig ein Stück Glauben an die Fairness des europäischen Fußballs. Die Bilanz des Abends: zwei Tore, drei Punkte, unzählige blaue Flecke. Der Sieg schmeckt nach Pfefferspray.