Bayern-basketball: kaiser jessup rettet die krone – wilbekin soll den thron sichern

München schielt auf die einzige Trophäe, die noch zählt. Nach dem Pokal-Crash und dem Euroleague-K.o. verlängert Bayern-Basket den „Kaiser“ Justinian Jessup vorzeitig bis 2028 – und zieht parallel den nächsten Coup durch: Euroleague-Champion Scottie Wilbekin soll noch diese Woche nach München wechseln.

Jessup: 66 % true shooting, 100 % commitment

Dragan Tarlac schwärmt selten, aber wenn er tut, dann mit Zahlen. 8,2 Punkte, 19 Minuten, 66 Prozent aus dem Mid-Range – das ist keine Momentaufnahme, das ist Jessups Daily Business. „JJ steht für Professionalität pur“, sagt der Sportchef und meint damit den Mann, der vor zwölf Monaten noch in Ulm spielte und sich nun in der Euroleague als sicherster Shooter des Rekordmeisters etablierte. Der Vertrag bis 2028 sei keine Geste, sondern Notwendigkeit: „Wir bauen auf Säulen, nicht auf Schnellschüsse.“

Der 27-jährige Shooting-Guard selbst redet nicht lange über Gefühle. „Ich habe mir bewiesen, dass ich hierher gehöre“, sagt er und klingt dabei wie ein Historiker, der sein eigenes Geschichtsbuch schreibt. Der Name des Vaters war Programm – Justinian, nach dem byzantinischen Feldherrn. So weit passt’s.

Wilbekin: kreuzband gepatcht, anzug schon gebügelt

Wilbekin: kreuzband gepatcht, anzug schon gebügelt

Während Jessup unterschreibt, fliegt Scottie Wilbekin bereits Richtung Isar. Der 32-jährige Combo-Guard mit türkischem Pass wurde in Istanbul freigestellt, nachdem ein Kreuzbandriss seine Saison vorzeitig beendete. Sechs Spiele Euroleague, kein einzeler Dreier, der sitzen geblieben – dennoch: Bayern zahlt nicht für die Vergangenheit, sondern für Play-off-Erfahrung. Fenerbahce, AEK, Galatasaray – alle klopften an, Wilbekin entschied sich für München. Intern heißt es: Vertrag zunächst bis Sommer, Option für zwei weitere Jahre.

Die Uhr tickt. Dienstag, 23.59 Uhr, Transferfenster zu. Wer bis dahin nicht auf der Ligaplattform gemeldet ist, darf in der BBL nicht mehr ran. Bayern arbeitet mit Excel und Stoppuhr.

Kader-puzzle: sechs verträge fallen weg

Kader-puzzle: sechs verträge fallen weg

Nach dieser Saison lösen sich sechs Namen in Luft auf. Stefan Jović, Elias Harris, Leon Kratzer, David McCormack – allesamt über 25, allesamt austauschbar. Bei Xavier Rathan-Mayes und Nenad Dimitrijevic liegt eine Option in der Schublade, doch der Stift bleibt vorerst trocken. Wilbekin rückt nach, Jessup bleibt, Obst ist schon gebunden – das Gerüst für 2024/25 steht, bevor die Play-offs begonnen haben.

Adrian Sarmiento reduziert das Kalkül auf einen Satz: „Wir müssen die Meisterschaft gewinnen, Punkt.“ Kein Bundesliga-Coach redet derzeit offener über die eigene Drucksituation. Bayern ohne Titel? Undenkbar in der Football-Abteilung, inzwischen auch undenkbar im Basketball-Tempel an der Audi Dome.

Die saison wird 40 minuten, nicht 34

Noch fehlt der letzte Sieg, der München die Krone zurücksetzt. Jessup wird weiter den Kaiser geben, Wilbekin darf beweisen, dass Kreuzbänder heilbar sind. Die Uhr läuft, die Liga schaut neidisch. In München weiß man: Wer jetzt zögert, verliert den Anschluss an die eigene Geschichte.