Bayern trotzt dem aus und dem tabellenletzten – ein sieg, der nur noch schmerzt
93:83 gegen ASVEL – die Zahlen glühen, die Saison ist trotzdem gelaufen. Bayern München schlägt in der EuroLeague das Schlusslicht, doch die Post-Season bleibt aus, der SAP Garden feiert eine Pyrrhussieg-Nacht.
Ein erfolg, der keiner ist
Justinian Jessup trifft aus neun Metern, sein 19. Punkt klebt am Netz wie ein Abschiedskuss. Die Uhr tickt runter, 10.000 Zuschauer jubeln trotzdem nur halbherzig – sie wissen: Roter Stern hat vor 24 Stunden in Vitoria gewonnen, Bayerns K.o. besiegelt. Was bleibt, ist ein Sieg gegen Lyon, der nicht einmal die Statistik wärmt. „Wir hatten zuletzt enge Spiele verloren, heute haben wir die richtige Seite gefunden“, sagt Jessup später im Magenta-Interview. Er klingt wie ein Mann, der sich selbst überzeugt.
Svetislav Pesic, 74, zurück an der Linie nach Magen-Darm-Geplagtheit, stemmt die Hände in die Hüften. Sein Blick schweift nicht zur Tabelle, sondern zu den Jungs, die endlich wieder einmal vor Freude aufeinander klopfen. „Kein Meisterwerk“, gibt er zu, „aber ein Spiel mit Gesicht.“ Gesicht genug, um sich nicht zu schämen – zu wenig, um noch Europas Bühne zu betreten.

National bleibt die letzte bühne
Die Luft ist raus, aber nicht die Saison. In der BBL wartet Hamburg Towers am Sonntag, dann Fenerbahçe im letzten EuroLeague-Heimspiel. Andi Obst packt seine Zahnbürste ein: „Wir wollen mit erhobenem Kopf rausgehen.“ Die Phrase klingt echt, weil seine Stimme brüchig ist. Drei Jahre in Folge schafften die Münchener das Achtelfinale, diesmal reicht selbst ein 20-Punkte-Sieg nicht mehr. Die Konkurrenz lacht nicht, sie wartet.
Der Deutsche Meister wird also Verteidiger ohne Europapokal. Die Frage ist nicht mehr, ob das Scheitern wehtut – sondern wie schnell die Wunden vernarben. Die Antwort steht am 15 Uhr in Hamburg. Dort zählt plötzlich wieder jeder Korb, weil er kein Trost, sondern Zukunft bedeutet.
