Bayern ohne kane: kompany sucht den ersatz für den torgaranten

Zum zehnten Mal muss der FC Bayern München ohne Harry Kane auskommen. Diesmal ist es kein Luxusproblem, kein taktisches Experiment – ein Schlag auf die Wade zwingt den englischen Torjäger gegen Borussia Mönchengladbach auf die Tribüne. Und die bisherige Bilanz ohne ihn? Vier Siege, vier Niederlagen, ein Unentschieden. Das klingt nach Mittelmaß, nicht nach dem FC Bayern.

Was die zahlen verschweigen

Man muss fair sein: Nicht jede dieser neun Partien war gleichwertig. Ein 2:0 gegen Wolfsburg am vorletzten Spieltag einer bereits entschiedenen Saison zählt anders als ein Pokalspiel. Und genau da liegt der wunde Punkt. In den K.-o.-Duellen, wo es wirklich wehtut, hat Bayerns Kane-Abwesenheit bittere Spuren hinterlassen. Das 1:2 in Saarbrücken unter Thomas Tuchel bleibt eine der peinlichsten Episoden der jüngeren Vereinsgeschichte. Drittliga-Gegner, Pokalrunde zwei, kein Kane – und Tuchel wechselte ihn nicht mal ein. Die Quittung kam prompt.

Kompany hat diesmal keine joker-karte

Kompany hat diesmal keine joker-karte

Was die Situation gegen Mönchengladbach besonders pikant macht: Vincent Kompany kann Kane nicht mal als Rechtfertigung auf der Bank parken. Beim 5:1 in Stuttgart Anfang Dezember kam Kane als Einwechselspieler und schnürte binnen Minuten einen Dreierpack. Diese Option ist diesmal schlicht nicht vorhanden. Der Trainer muss von Beginn an eine Antwort haben.

Die naheliegendste heißt Serge Gnabry. Als Mittelstürmer ist er keine Naturgewalt, aber er kennt das System, er läuft, er presst, er taucht in den Räumen auf, die Kompany fordert. Denkbar wäre ein Wechselspiel mit Jamal Musiala dahinter – eine Kombination, die Kompany bereits beim Pokal-Aus gegen Leverkusen probierte. Damals mit Musiala und Michael Olise. Es reichte nicht.

Jackson ist keine lösung, das weiß jeder im verein

Jackson ist keine lösung, das weiß jeder im verein

Theoretisch steht auch Nicolas Jackson zur Verfügung. Praktisch wirkt der Stürmer in Bayerns Kombinationsspiel wie ein Fremdkörper – besonders dann, wenn die Münchner den Ball führen und Geduld brauchen. Jackson lebt von Kontern, von Räumen, von Chaos. Gegen ein defensiv geordnetes Gladbach dürfte das zur Qual werden.

Die Alternativen, die früher griffen – Thomas Müller, Eric Choupo-Moting, Mathys Tel – sind allesamt weg. Der Verein hat in der Vergangenheit auf Kane als alleinigen Fixpunkt gebaut, und das rächt sich genau in Momenten wie diesen. Kompany weiß das. Er hat es selbst erlebt, als er im Pokal gegen Leverkusen mit einer improvisierten Doppelspitze arbeitete und trotz numerischer Unterzahl – Manuel Neuer sah Rot – das bessere Team stellte. Und trotzdem verlor.

Zehn spiele, ein muster

Zehn spiele, ein muster

Die Statistik ist nüchtern: In neun Partien ohne Kane hat Bayern viermal gewonnen, viermal verloren, einmal remis gespielt. Das ist kein Zufall, das ist ein strukturelles Problem. Wenn der Mann fehlt, der in dieser Saison bereits 25 Pflichtspieltore auf dem Konto hat, bricht das System an seinen Nähten. Kompany ist ein kluger Trainer. Aber selbst kluge Trainer können Weltklasse-Stürmer nicht einfach ersetzen. Gegen Gladbach wird er das wieder beweisen müssen – mit dem, was übrig bleibt.