Basketball-zoff: absteiger kämpfen mit wildcards um ligaerhalt
Die Basketball-Bundesliga (BBL) steht vor einem ungewöhnlichen Szenario: Während die Saison eigentlich bereits zu Ende gegangen ist, kämpfen die Absteiger Löwen Braunschweig und MLP Academics Heidelberg noch um ihre Rettung – und zwar mit der umstrittenen Wildcard-Regelung. Ein Wettlauf gegen die Zeit und eine Debatte, die die gesamte Liga spaltet.
Braunschweig sammelt spenden, heidelberg hofft auf ein wunder
Die Situation ist komplex. Eigentlich waren Braunschweig und Heidelberg schon seit Anfang Mai als die beiden Mannschaften gewiss, die den Weg in die 2. Bundesliga finden müssen. Doch die Möglichkeit einer Wildcard-Vergabe hält die Spannung aufrecht. Besonders Braunschweig, mit NBA-Star Dennis Schröder als Hauptgesellschafter, mobilisiert seine Fans und Unternehmen. Ziel: Die stolzen 800.000 Euro für die Wildcard-Gebühr aufzubringen. Auch Heidelberg hat sich um die begehrte Erlaubnis beworben.
Der Grund für diese außergewöhnliche Situation liegt an den Kirchheim Knights, die als sportlicher Aufsteiger aus der ProA nicht die erforderlichen wirtschaftlichen (Mindestetat von 4 Millionen Euro) und infrastrukturellen (Halle mit mindestens 3.000 Plätzen) Voraussetzungen für eine BBL-Lizenz erfüllen. Dadurch ist ein Platz frei geworden, den sich nun die Absteiger „einkaufen“ können – ein Vorgehen, das viele Fragen aufwirft.

Eine wildcard, die ihren sinn verliert?
Alexander Reil, Präsident der Arbeitsgemeinschaft Basketball Bundesliga (AG BBL) und Vorsitzender der MHP Riesen Ludwigsburg, erklärt die Problematik: „Wir haben im Grundlagenvertrag mit dem DBB vereinbart, dass es einen sportlichen Auf- und Abstieg geben muss. Das ist die Basis.“ Doch die Realität sieht anders aus, und viele Klubs sind frustriert. Die Standards der BBL sind gestiegen, aber nicht alle Teams aus der ProA können diesen Anforderungen gerecht werden. Das führt zu einer fehlenden Durchlässigkeit zwischen den Ligen.
Guido Heerstraß, Verantwortlicher der Zweitligisten Gießen 46ers, die im Playoff-Halbfinale an Kirchheim scheiterten, hält die Wildcard-Regelung für „dringend reformbedürftig“. Er kritisiert, dass Vereine, die die Aufstiegsbedingungen erfüllen, durch dieses Verfahren benachteiligt werden. Die ursprüngliche Idee der Wildcard, Neu-Projekten (wie Fußballvereinen) einen schnellen Einstieg zu ermöglichen, scheint längst vergessen.
Martin Romig von Hakro Merlins Crailsheim, der selbst einst aus der BBL abstieg, entschied sich bewusst gegen diesen Weg. „Wir waren der Überzeugung, dass der sportliche Abstieg akzeptiert werden muss“, so Romig.

Ein abgrund zwischen bbl und proa?
Marvin Willoughby, Chef der Hamburg Towers, sieht einen Hauptgrund dafür, dass nicht alle potenziellen Aufsteiger eine Lizenz beantragen: „Die infrastrukturellen Unterschiede zwischen der BBL und der ProA sind einfach zu groß.“ Er fordert, dass die BBL nicht der ProA enteilt und ein Anschluss weiterhin möglich bleibt. Die Mindeststandards haben die Liga zwar verbessert, doch die Kluft zwischen den Ligen scheint immer größer zu werden.
Die Suche nach einer Lösung ist im Gange. Die BBL hat bereits einen Vorschlag an die 2. Bundesliga unterbreitet: Der Hauptrundensieger könnte neben dem Playoff-Sieger aufsteigen. Auch ein Nachrückverfahren wäre denkbar. Doch bisher ohne Erfolg. Die Verhandlungen zwischen den Ligen gestalten sich schwierig, und eine Einigung ist nicht in Sicht. Die kommende Saison könnte somit mit 17 Mannschaften in der BBL beginnen – ein Zeichen für die anhaltende Zerrissenheit im deutschen Basketball.
Die Situation ist angespannt, aber eines ist klar: Eine Veränderung ist notwendig. Ob diese noch vor der nächsten Saison gelingt, bleibt abzuwarten. Die ProA signalisiert Gesprächsbereitschaft, doch die BBL hält an ihren Positionen fest. Die Zukunft des deutschen Basketballs hängt davon ab, ob die Ligen einen gemeinsamen Weg finden können – oder ob der Abgrund zwischen ihnen immer weiter wächst. Die Uhr tickt.
