Barbarez wirft cooper sabotage vor: „tahirović sollte platt für wales kommen“
Es ist die Sorte Vorwurf, die selbst in der skrupellosen Welt der Play-offs selten laut wird: Sabotage aus dem eigenen Klub. Sergej Barbarez, Teamchef von Bosnien-Herzegowina, warf Brøndby-Coach Steve Cooper am Montagabend in Zenica offen vor, Stürmer Benjamin Tahirović systematisch außer Form gebracht zu haben – damit er gegen Wales nicht zur Verfügung steht.
Der Angriff kam ohne Umschweife. „Benjo hat mir Dinge erzählt, die man kaum glauben mag. Es geht um Wurzeln, um Herkunft“, sagte Barbarez und spielte damit auf Coopers walisische Geburt an. „Wenn dein Trainer dir persönlich viel Glück wünscht, aber nicht deiner Nationalmannschaft, wird das Bild sehr klar.“ Die Implikation: Cooper habe Tahirović in den beiden letzten Ligaspielen (nur 13 Minuten Einsatzzeit) bewusst kaltgestellt, um ihn physisch und rhythmisch zu schwächen.
Brøndby weist anschuldigung als „abstruse spekulation“ zurück
Der dänische Klub reagierte innerhalb von Minuten. „Das ist eine ziemlich abstruse Spekulation“, sagt Kommunikationschef Søren Hanghøj zu TV2. „Steve hat die Entscheidung begründet, und kein einziges Mal fiel das Wort ‚Wales‘ oder ‚Bosnien‘.“ Man habe gemeinsam mit dem Sportdirektor Benjamin Schmede eine „reine Leistungsentscheidung“ getroffen – auch Stürmer Sean Klaiber fehlt im Kader. „In Brøndby wimmelt es nicht gerade von walisischen Fans“, fügte Hanghøj trocken hinzu.
Doch Barbarez lässt nicht locker. Auf der Pressekonferenz vor dem Rückspiel in Cardiff verweigerte er jede Entschuldigung. „Ich muss mich für nichts entschuldigen. Mein einziger Job ist es, meinen Spieler zu schützen“, sagte der ehemalige Bundesliga-Torschützenkönig. Das Ganze sei ein „Puzzle“ für die Medien gewesen, um Tahirović den Druck zu nehmen. Ob das taktische Psychospiel oder blanke Wut – der 51-Jährige machte klar: „Ich kenne Benjamin seit zwei Jahren. Er kann mehr, als er in den letzten Wochen durfte.“

Tahirović schweigt, cooper duckt sich
Der 22-Jährige selbst schickte über den Klub eine private Entschuldigung an Cooper, nicht aber an die Öffentlichkeit. Der walisische Coach ließ seine Kommunikationsabteilung sprechen und blieb selbst stumm. Das macht die Lage für Brøndby brisant: Ein Trainer, dem vorgeworfen wird, Nationalinteressen über Klubinteressen zu stellen – das ist in Zeiten von 50-Millionen-Euro-Playoff-Prämien ein Imageschaden, der sich mit einer Pressemitteilung nicht wegwischen lässt.
Für Wales ist der Vorfall ein Geschenk. Statt über die eigene torlose Auswärtsserie zu reden, diskutiert ganz Bosnien über interne Grabenkämpfe. Rob Page muss nur noch einmal den Rückwärtsgang einlegen und kann seine Mannschaft ungestört auf den Gegner einstellen – während Barbarez betont, dass „nur das Spiel zählt“. Ob das reicht, um die eigene Mannschaft wieder auf Kurs zu bringen, wird sich heute Abend in Cardiff zeigen. Klar ist: Wer auch immer die Play-off-Final-Tickets kauft, kriegt neben 90 Minuten Fußball eine gehörige Portion Intrigue obendrauf.
