Balogun-sperre: entscheidung von einzelrichter umstritten
Ein Rechtsstreit von FIFA-Ausmaßen hat die WM-Luft verdichtet: Die Entscheidung, die Sperre des US-Stürmers Folarin Balogun zur Bewährung auszusetzen, soll demnach von einem einzigen Richter getroffen worden sein. Ein Vorgehen, das zwar den FIFA-Statuten entspricht, aber für erhebliche Fragen und Kritik sorgt.
Der vorfall im sechzehntelfinale: eine rote karte und ihre folgen
Balogun sah im Sechzehntelfinale gegen Bosnien-Herzegowina nach einem Foulspiel die rote Karte. Eine automatische Sperre für das Achtelfinale drohte, doch die FIFA setzte diese überraschend zur Bewährung aus. Dieser Schritt, der nach einem Telefonat zwischen US-Präsident Donald Trump und FIFA-Präsident Gianni Infantino erfolgte, löste eine Welle der Kritik und Spekulationen aus.
Laut einem Bericht der englischen Zeitung „The Times“ traf die Entscheidung ausschließlich Mohammad al-Kamali, der Vorsitzende des Disziplinarkomitees, der aus den Vereinigten Arabischen Emiraten stammt. Weitere Mitglieder des 18-köpfigen Gremiums sollen nicht hinzugezogen worden sein. Ein einzelner Richter? Die Frage nach der Unabhängigkeit und Objektivität dieser Entscheidung wird nun laut gestellt.

Ein verfahren, das den statuten entspricht – aber ist es sinnvoll?
Hans E. Lorenz, langjähriger Vorsitzender am DFB-Sportgericht, sieht zwar keinen direkten Verfahrensfehler: „Ein Verfahrensfehler liegt hier gewiss nicht vor.“ Dennoch stellt er fest: „Ob es klug war, bei einem Fall von dieser Tragweite so vorzugehen, sei mal dahingestellt.“ Die UEFA, so seine Erfahrung, würde bei ihren EM-Turnieren stets mehrere Personen in den Entscheidungsprozess einbeziehen, um Gegenargumente und Widersprüche zuzulassen. Die FIFA scheint hier einen anderen Weg gewählt zu haben.
Die Möglichkeit eines Einzelrichterverfahrens ist zwar im Disziplinarcode der FIFA vorgesehen und wird auch von anderen Sportverbänden angewendet. Doch im Fall Balogun wirft die Einseitigkeit der Entscheidung Fragen nach dem Einfluss externer Faktoren auf die sportliche Justiz auf. Die FIFA wurde um eine Stellungnahme gebeten, während sich al-Kamali am Rande des Spiels zwischen England und Norwegen aus dem Fenster starrte.
Die Debatte um die Sperre von Balogun zeigt deutlich, wie fragil das Vertrauen in die Unabhängigkeit sportlicher Entscheidungen sein kann. Die FIFA steht nun vor der Herausforderung, die Transparenz und Glaubwürdigkeit ihrer Disziplinarverfahren zu gewährleisten.
