Bad nauheim auf schiene: eine scheibe reicht für den klassenerhalt
Drei Spiele, drei Siege – und die DEL-2 bleibt ein Stück Heimat. Der EC Bad Nauheim schlug in Weiden doppelt zu: 4:0 auf dem Eis, 3:0 in der Serie. Ein Sieg am Freitag im heimischen Rodenstein-Stadion, und der Abstiegsgähner ist vom Tisch.
Hickmott lässt die scheibe sprechen
Jordan Hickmott schraubte sich in 25 Sekunden zum Matchwinner hoch. Sein Hattrick war kein Kunstprodukt, sondern die nüchterne Antwort auf zuvor verpennte Zweikämpfe im Mitteldrittel. „Wir haben einfach aufgehört zu jagen und angefangen zu spielen“, sagte er nach dem Schlusspfiff, das Trikot noch dampfend. Parker Bowles hatte den Faden schon früh aufgenommen – sein 1:0 war das Startsignal für eine Moral-Vorstellung, die die Weidener Anhangschaft in den Seilen hängen ließ.
Die Blue Devils? Erst wütend, dann ratlos. Nach dem 0:3 im Mittelabschnitt bröckelte die Ordnung, die Trainerwechsel halfen nicht mehr. Die Hausherren schossen in 40 Minuten nur neun Mal aufs Gehäuse – Statistikwerte, die selbst in der Oberliga Buhrufe provozieren.

Ein stadion, eine stadt, ein atemzug
Am Freitag um 19.30 Uhr wird der Rodenstein-Kessel kochen. 3.800 Stimmen, eine Meute in Rot-Weiß, die seit Wochen auf diesen Moment lauert. Tickets sind nur noch im Börse-Modus zu haben, die Hütte ist seit Dienstag ausverkauft. Kapitän Marc Michaelis sparte mit Pathos: „Wir wollen nicht nur bestehen, wir wollen begeistern.“
Für die Geschäftsstelle geht es um mehr als Punkte. Die DEL-2-Lizenz kostet rund 1,2 Millionen Euro pro Saison, ein Lizenzentzug würde den Verein zurück in die Oberliga katapultieren – und die Sponsoren in die Flucht. Die Fernsehrechte der Playdowns sichert der EC Bad Nauheim selbst, ein kleines Vermögen, das den Spielbetrieb über Wasser hält. Die Rechnung ist einfach: Sieg = Kasse.

Die andere seite der scheibe
Weiden muss gewinnen, um nicht zur Fußnote zu verkommen. Doch die Serie liegt lahm, die Sturmreihen sind verletzt gezeichnet. Trainer Petr Kadera sprach von „kleinen Brüchen“, meinte aber riesige Lücken. Die Devils brauchen ein Wunder – oder zumindest ein Powerplay, das endlich zündet. In drei Spielen nur ein Treffer bei numerischer Überlegenheit, das ist keine Playoff-Reife, das ist Selbstauschaltung.
Bad Nauheim hingegen fährt auf der Welle. Die Defensive um Goalie Kevin Reich stand wie ein Betonklotz, die Scheibe ging erst nach 179 Minuten ins Netz – ein Wert, der die Statistiker aufhorchen lässt. Die Mannschaft ist jung, hungrig und – das zeigt die Tabelle – einfach besser.
Die Uhr tickt. Noch 60 Minuten Eishockey trennen Bad Nauheim von der Gewissheit. Ein Schuss, ein Tor, ein ganzer Sommer ohne Sorgen. Die Stadt atmet bereits durch – und die Scheibe rollt weiter Richtung Zukunft.
