Augsburg kehrt nach leipzig zurück an den ort der schande – und will sich rächen
0:6. Die Zahl klebt noch immer wie Pech an den Klamotten des FC Augsburg. Vor zwölf Monaten lief RB Leipzig in der WWK-Arena zur Höchstform auf, schoss die Fuggerstädter in ihrer eigenen Halle ab wie auf dem Trainingplatz. Heute Nacht steht dieselbe Rechnung in der Red-Bull-Arena an – diesmal mit anderen Vorzeichen.
Manuel baum zeigt seinen spielern das blutige video
Kein Trainer schart gern alte Wunden auf. Baum macht es trotzdem. „Ich habe den Jungs die Höhepunkte des 0:6 serviert“, sagt er trocken. Kein Sadismus, sondern Schockeffekt. Die Botschaft: Vergessen wir das nicht, denn vergessen heißt wiederholen. Die Mannschaft schaute schweigend, schluckte, nickte. Motivation durch Demütigung – eine Methode, die in der Kabine funktioniert, weil sie die eigene Ehre trifft.
Die personelle Lage ist prekär. Fünf Profis fallen aus, darunter der gesperrte Zesiger und der neue Angreifer Ogundu, der sich das Sprunggelenk verdreht hat. Baum muss improvisieren, rotiert aber nicht willkürlich. Arthur Chaves rückt in die Dreierkette, weil er gegen Tempofußball den körperlichen Geradlinigeren bringt. „Gegen Leipzig zählt jeder Zentimeter Zweikampf“, sagt Baum. Chaves liefert die Antwort auf Leipzig’s Flügelflitze.

Die tabelle lügt nie – baum behandelt sie trotzdem wie ein verbotenes
Bei 22 Punkten nach 14 Spielen könnte Augsburg theoretisch die europäischen Plätze anpeilen. Baum blockiert diese Rechnung ab. „Ich bin kein Tabellenmensch“, betont er und meint es ernst. Die interne Devise lautet: 34 Spieltage lang blind laufen, dann schauen. Die Philosophie zahlt sich aus. Seit der 0:6-Pleite hat Augsburg fünf der letzten sechs Partien gewonnen, darunter den 2:1-Coup in München. Die Serie schweißt zusammen, verdrängt die Angst.
In Leipzig erwartet den FCA dieselbe Tempomacht, nur mit anderer Besetzung. Xavi Simons und Loïs Openda jagen durch die Lücken, die Augsburg vor einem Jahr selbst aufriß. Baum hat die Defensive neu justiert: Schlotterbeck als Kommandostimme, Banks als Sprinter, Chaves als Abräumer. Die Vorgabe lautet: früh stören, spät flanken, niemals offene Halbräume schenken. Ein Punkt wäre ein Erfolg, ein Sieg ein Statement.
Am Ende zählt eine einzige Frage: Hat der Schmerz von damals genug Kraft, um heute die Beine schneller werden zu lassen? Baum glaubt es. Seine Spieler auch. Sonst würden sie das Video nicht anschauen, sondern wegklicken.
