Aue schafft 2:2-remis in stuttgart und lebt noch – aber nur auf dem papier

Ein Punkt, der wie ein Sieg schmeckt und trotzdem nichts taugt. Erzgebirge Aue hat sich am Sonntag beim VfB Stuttgart II mit 2:2 durchgebissen, dabei zwischen der 38. und 40. Minute schon abgeschrieben und in der 90.+3 noch den Sieg auf dem Fuß gehabt. Das rettet die Veilchen vorerst vor dem sicheren Abstieg, lässt die Statistik aber kalt: Seit 13 Spielen ohne Sieg, 14 Punkte Rückstand auf den Relegationsplatz, fünf Spieltage noch. Es ist die Art von Hoffnung, die man nur mit Bleistift notiert – Radiergummi bereit.

0:2 Nach 40 minuten – und dann flackert etwas auf

Was Aue in der ersten Hälfte bot, war ein Lehrstück darüber, wie man sich selbst in eine Ecke stellt. Mutiger Beginn, erste Aktion schon nach 20 Sekunden, doch plötzlich stand die Mannschaft tiefer als der Nebel im Erzgebirge. Nicolas Sessa traf aus 20 Metern, zwei Minuten später staubte Arevalo ab – 0:2, Spiel gedreht, Gesichter leer. Die Veilchen wirkten wie eine Mannschaft, die die Anleitung zum Klassenerhalt verlegt hat.

Nach dem Seitenwechsel dann der Anruf aus der Kabine: Julian Guttau nahm einen Steckpass mit, spitzelte die Kugel an Hellstern vorbei – 1:2, 53. Minute. Die Gäste schöpften Luft, Stuttgart ließ die Räume offen wie ein Bahnhofstor. Marcel Bär vergab frei vor dem Tor (82.), traf dann per Strafstoß (88.) und scheiterte erneut in der Nachspielzeit. Drei xG-Momente, drei Herzkämpfe, ein Punkt.

Kvicha shubitdze zuckt mit den schultern – die tabelle nicht

Kvicha shubitdze zuckt mit den schultern – die tabelle nicht

Der Trainer sprach nach Abpfiff von „Charakter“ und „Leidenschaft“, doch die Worte verpuffen gegen die Zahlen: 36 Punkte, 16. Platz, 48 Tore kassiert. Die 3. Liga hat nur drei Abstiegsplätze, und Aue klebt seit Wochen am untersten Rand wie ein Kaugummi am Schuh. Selbst wenn die Veilchen die restlichen fünf Partien gewinnen würden – es reicht vermutlich nicht. Die Konkurrenz um Dynamo Dresden, Viktoria Köln oder den MSV Duisburg müsste straucheln, und selbst dann fehlt noch ein Krimi aus Torverhältnissen und Dreier-Kaskaden.

Die Fans sangen bis zum Schluss, doch ihre Stimmen klangen schon wie Nachhall. Sie wissen: Das 2:2 in Stuttgart ist kein Neuanfang, es ist eine Verlegung der letzten Messe. Nächster Gegner: SpVgg Bayreuth, ein Abstiegs-Derby, das keine Sieger kennt – nur zwei Verlierer, die unterschiedlich schnell fallen.